Analysen
25. September 2015
AUTOR: Businesscloud.de

Wenn Kühe in der Cloud landen

Nicht nur für ausgemachte „Nerds“ ist es unvorstellbar, wie man ein Leben ohne Internet, Cloud, Smartphone, Apps und Tablet führen kann. Dasselbe gilt mittlerweile für einen höchst bodenständigen Berufszweig: den des Landwirts. Denn natürlich haben PC, Internet und die Automatisierungstechnik schon längst den Stall und die Scheune „unterwandert“. Das Stichwort lautet „Precision Farming“.

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Viele Landwirtschaftsbetriebe sorgen bereits heute mit IT-Unterstützung aus der Cloud für bessere Ergebnisse. Bild: Shutterstock/Bas Meelker

Wann angesichts der aktuellen Witterungslage und der Konzentration der Nährstoffe im Boden der beste Zeitpunkt für Aussaat und Ernte ist, oder welche Futtermittel in welcher Dosierung Kühe, Kälber, Schweine und Hühner bekommen, legt der moderne Farmer bereits längst mittels Rechner und entsprechender Anwendungen fest. Und Pressen, Kombiwagen und Scheibenmähwerke, also die Geräte, die an Traktor gekoppelt werden, steuert er zeitgemäß mittels Tablet vom Fahrersitz aus. Ein entsprechendes System hat beispielsweise Claas vorgestellt, ein deutscher Hersteller von Landtechnik.

Anwendungen für den Bauern kommen aus der Cloud

Doch Preciscion Farming bedeutet auch Cloud Computing. So können Landwirte beispielsweise Software für die Planung, Steuerung, Überwachung und Dokumentation von Arbeitsprozessen als Software as a Service (SaaS) aus Cloud-Rechenzentren beziehen. Ein Beispiel dafür ist 365FarmNet. Je nach Bedarf ordert der „Precision Farmer“ die Module, die er benötigt, etwa den „Grundbaustein Pflanze“ für 8,33 Euro pro Monat für einen Betrieb mit 100 Hektar. Weitere Bausteine, wie der Maissorten-Ratgeber oder Düngeservice, kosten extra. Der Landwirt profitiert somit von denselben Vorteilen wie ein User, der eine SAP-Applikation oder Office 365 aus der Cloud bezieht: Der Bauer bezahlt nur für die Services, die er tatsächlich nutzt. Einige Anbieter, wie 365FarmNet, werben sogar damit, dass die Software in deutschen Rechenzentren gehostet wird. Damit ist sichergestellt, dass die hierzulande geltenden Datenschutzregelungen zum Zuge kommen.

Der nächste Schritt: Maschinenlernen und Cloud in Kombination

Auf Microsofts Entwicklerkonferenz Build 2015 zeigten Microsoft und Fujitsu, wohin die Reise in der Landwirtschaft künftig führt. Beide Unternehmen kombinieren Cloud Computing mit dem Internet der Dinge (IoT, Internet of Things), Maschinenintelligenz und Big Data. Das klingt beinahe danach, als hätten Analysen einen Cocktail mit einigen der Schlagworte angerührt, die derzeit in der Informationstechnik besonders angesagt sind.

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 Landwirtschaft heißt heute „Hightech“: Der Bauer steuert beispielsweise mittels Tablet die Maschinen, die an den Traktor gekoppelt sind. Bild: Claas

Doch Fujitsus Unternehmenssparte Kyushu Systems Ltd. hat bereits Ende 2013 mit GYUHO SaaS einen Cloud-Service gestartet, mit dem Landwirte ihre Rinderbestände managen können. Zusammen mit Microsoft optimierte Fujitsu Kyushu Systems nun einen wesentlichen Aspekt der Rinderzucht mithilfe von Cloud Computing und Maschinenintelligenz: die Befruchtung von Kühen. Dies ist offenkundig eine Wissenschaft für sich: Nur in Intervallen von 21 Tagen ist eine Kuh empfängnisbereit, und das nur etwa 16 Stunden lang. Diese Zeitfenster für jedes Rind zu „erwischen“, ist bei größeren Herden fast unmöglich.

Die Bewegungsmuster von Rindern erfassen

Die Lösung: Jedem weiblichen Rind wird ein Pedometer verpasst (die IoT-Komponente des Systems). Es ermittelt, wie viele Schritte eine Kuh tut und in welchem Rhythmus das erfolgt. Die Daten werden per Funk an die Software und das Auswertesystem in der Cloud übermittelt.

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Der Cloud-basierte GYUHO-Service von Fujitsu übermittelt die Daten, die das Pedometer am Fuß einer Kuh erfasst, via Mobilfunk und Internet zur Auswertung in ein Cloud-Rechenzentrum. Die Resultate ruft der Landwirt in seinem Büro am Rechner ab. Bild: Fujitsu

In der „heißen“ Phase erhöht sich die Schrittzahl eines Rinds drastisch. Ein Maschinenintelligenz-System von Microsoft erfasst die Daten, interpretiert sie und informiert den Landwirt, wann es an der Zeit ist, „Resi“ oder „Lilu“ künstlich zu befruchten. Die Trefferquote wurde mithilfe dieser Technik deutlich erhöht – von 39 Prozent auf über 67 Prozent. Damit nicht genug: Der Bauer kann sogar bis zu einem gewissen Grad steuern, ob es ein „Junge“ oder ein „Mädchen“ werden soll. Erfolgt die Befruchtung zu Beginn der Phase der Empfängnisbereitschaft, ist die Chance deutlich höher, dass daraus ein weibliches Kalb entspringt. Gegen Ende des Zeitraums sind dagegen eher Bullen zu erwarten. Sogar der Gesundheitszustand von Zuchttieren soll sich laut Microsoft und Fujitsu mithilfe des Verfahrens bestimmen lassen.

Piornet_NDH_Business_Cloud_Kuh_Geschlecht_Fujitsu Durch den richtigen, per Cloud-Ressourcen ermittelten Befruchtungszeitpunkt einer Kuh lässt sich sogar beeinflussen, ob das Resultat ein „Junge“ oder „Mädchen“ ist. Bild: Fujitsu

Was Viehzucht mit der Wartung von Aufzügen zu tun hat

Für die Kombination aus Cloud, dem Internet der Dinge, Maschinenintelligenz und Big Data gibt es weitere interessante Beispiel. Der deutsche Konzern ThyssenKrupp zeigte beispielsweise auf der Microsoft Entwicklerkonferenz den Prototypen eines proaktiven Wartungssystems für Aufzüge. Es erfasst mithilfe von Sensoren in Aufzügen Daten, transferiert sie in eine Cloud und lässt sie dort von „Machine-Learning“-Algorithmen analysieren. Die Ergebnisse geben Wartungstechnikern Hinweise auf Schwachstellen und Fehler, die sich erst später bemerkbar machen können. Auf diese Weise haben Techniker im Vorfeld die Möglichkeit, Problempunkte zu beseitigen und damit einen reibungslosen Betrieb der Aufzüge sicherzustellen.

Fazit: Neue Perspektiven durch durch kreative Kombinationen

Die „Connected Cow“ wie auch die „Vernetzten Aufzüge“ sind nur zwei Beispiele dafür, wie Cloud Computing in Verbindung mit anderen Technologien wie IoT bereits jetzt den Alltag durchdringt. Das hat nichts mit Spielerei oder Science-Fiction zu tun. Großunternehmen, aber auch mittelständischen und Kleinbetrieben sowie öffentlichen Einrichtungen eröffnen sich dadurch Möglichkeiten, die über klassische Cloud-Services hinausgehen: Sie können neue Geschäftsideen und Produkte entwickeln und vermarkten. Und das ist für ein Hochtechnologieland wie Deutschland überlebenswichtig.

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