Analysen
13. Oktober 2015
AUTOR: Businesscloud.de

Vom Golfen und der Cloud

Wie bei allen Sportarten ist auch beim Golfspiel nicht so recht klar, wann und aus welchen Gründen jemand auf die Idee kam, einen Ball im Miniaturformat mithilfe eines merkwürdig geformten Holzknüppels in ein ebenso kleines Loch zu befördern. Einigen Quellen zufolge spielten bereits Flamen und Niederländer um 1260 eine Art Golf, später teilweise sogar um Geld. Und im Jahr 1389 spendierte der Regent der niederländischen Provinzen Holland, Zeeland und Hainaut den Bürgern von Haarlem einen Golfplatz vor den Toren der Stadt, um das Gefahrenpotenzial dieser Tätigkeit zu reduzieren. Offenkundig kam es bereits damals zu Kollateralschäden an Personen und Sachgegenständen durch wild umherfliegende „Golfbälle“, die oft aus runden Kieselsteinen oder Holzkugeln bestanden.

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Wer auf die Idee kann, Bälle mit Schlägern in kleine Löcher zu befördern, ist nicht ganz klar. Jedenfalls wurde im 15. Jahrhundert Golf in Schottland extrem populär.

Das Spiel, wie es noch heute bekannt ist, wurde allerdings im 15. Jahrhundert in Schottland populär. So populär, dass es König James II. im Jahr 1457 verbieten ließ. Der Grund: Die Schotten vernachlässigten Golf zuliebe Sportarten, die unter dem Aspekt „Wehrhaftigkeit“ wichtiger waren, etwa das Bogenschießen.

Golfspieler rüsten auf

Heute hat sich Golfen längst zu einer Milliarden-Dollar-Industrie entwickelt. Weltweit sind 60 Millionen Spieler in Golfclubs aktiv, in Deutschland laut Golf.de rund 640.000 in circa 850 Clubs. Dass Golfen allerdings für viele den Status eines „netten“ Freizeitausgleichs hinter sich gelassen hat, zeigt ein Blick auf das technische Equipment, das bei dem Versuch zum Einsatz kommt, das kleine Runde in das ebenso kleine Runde zu befördern.

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Bei „Game Golf“ erfassen Sender und Sensoren am Gürtel des Spielers und am Schläger Daten wie die Schlagrichtung und übermitteln sie an ein Smartphone oder Tablet. Bild: Game Golf

Das IT-Unternehmen Intel hat in einem Beitrag auf seiner Web-Seite die jüngsten Trends zusammengefasst. So gehört heute eine App für das Smartphone zur Standardausstattung jedes halbwegs ernst zu nehmenden Golfers. Sie analysiert Windgeschwindigkeit und den Einfluss des aktuellen Wetters auf den Flug des Balles und gibt Tipps, welcher Schlägertyp sich in einer Spielsituation am besten eignet. In die gleiche Richtung geht auch Game Golf. Die Analysesoftware ermittelt mithilfe von Satellitennavigation und Near Field Communication (NFC), wie sich ein Spieler auf dem Parcours schlägt und stellt diese Daten via Cloud auf einem Desktop-Rechner des Nutzers oder einem Tablet zur Verfügung.

Wie ein Profi spielen – dank Cloud Computing

Mittlerweile gibt es vor allem im Golf-verrückten Nordamerika zig dieser Anwendungen und „Sets“ aus Sensoren, Funkempfängern und Apps. Wer einem seiner Lieblingsfeinde aber richtig heimleuchten möchte, muss technologisch einen Schritt weiter gehen. Die Devise lautet Big-Data-Analyse und Cloud Computing. Das amerikanische Unternehmen Zepp bietet beispielsweise eine Kombination aus Sensor, Funkverbindung und 3D-Schwunganalyse an.

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Tausende von Datenpunkten pro Schlag erfasst Zepp Golf 3D Swing Analyzer und legt sie in einer Cloud-Umgebung ab. Spieler können sich dann 3D-Analysen ihrer Schwungbewegungen auf einem Smartphone anzeigen lassen. Bild: Zepp

Ein Sensor am Handschuh des Spielers erfasst bei jedem Schwung mit dem Schläger angeblich mehr als 3.000 Datenpunkte. Ermittelt werden unter anderem die Schwung-Geschwindigkeit, die Hüftrotation, die Auftreffgeschwindigkeit am Schlägerkopf und die „Backswing“-Position nach Abschluss des Schlags. Diese Daten werden per Bluetooth auf das Smartphone des Nutzers übermittelt und von dort in ein Cloud-Rechenzentrum von Zepp. Der User kann in der Cloud je nach Version des Zepp Golf 3D Swing Analyzer eine bestimmte und unbegrenzte Zahl von Datensätzen speichern und vergleichen lassen. Die Resultate stehen unter anderem in einer 3D-Animation zur Verfügung. Endlich haben ambitionierte Spieler nun die Gelegenheit, den so dringend notwendigen Feinschliff an ihren Schwüngen vorzunehmen. Kein Links- oder Rechtsdrall mehr, keine Bälle, die in unwegsamen Randzonen des Golfgeländes verschwinden – und vor allem keine hämischen Kommentare von Mitspielern.

SAP HANA als Golf-Analyse-Plattform

Eine vergleichbare Anwendung hat SAP entwickelt. Sie nutzt SAPs In-Memory-Datenbanktechnologie SAP HANA Cloud in Verbindung mit NFC-Sensoren am Golfschläger. Die Sensoren erfassen während des Schlagens Daten und übermitteln diese zum Smartphones des Nutzers. Von dort „wandern“ sie zur Auswertung in ein Cloud-Datacenter mit SAP HANA.

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Nicht kleckern: Wer es dem Mitspieler so richtig zeigen möchte, greift zu einer detaillierten Analyse auf Basis von SAP HANA Cloud. Die Lösung arbeitet mit Sensoren am Golfschläger und gibt Hinweise, welcher Schläger sich in welcher Situation am besten eignet. Bild: SAP

Dem Spieler werden dann tief schürfende Analysen präsentiert, etwa solche im „Was-wäre-wenn“-Stil: Wie würde ein bestimmter Schlag wohl „laufen“, wenn statt eines Eisens 7 ein 6er Hybrid-Schläger zum Zuge käme? Oder ob es Sinn ergibt, bereits jetzt einen Put-Versuch zu starten – trotz der Distanz von zehn Metern, über die der Spieler laut Cloud-Analysen normalerweise nicht sonderlich erfolgreich einlocht.

Von „Wearables“ zu „Predictive Cloud Computing“

Doch auch damit nicht genug. Die nächsten Schritte beim „Hightech-Golfen“ bahnen sich bereits an. So experimentieren Ausrüster mit Golf-Kleidung, in die Sensoren und Funksender integriert sind, Stichwort „Wearables“. Damit lassen sich deutlich mehr Daten erfassen. Bei Profiturnieren könnten diese Informationen visuell aufbereitet und per App den Zuschauern auf ihren Smartphones und Tablets zur Verfügung gestellt werden. Besucher können somit in Echtzeit mitverfolgen, wie welcher Profi bestimmte Schläge ausführt und Vergleiche zu Konkurrenten anstellen. Und das alles in Verbindung mit einer Fülle ergänzender statistischer Informationen, Live-Bildern und Archivmaterial. Dies wird erhebliche IT-Ressourcen erfordern, die zu bezahlbaren Kosten eigentlich nur Cloud-Rechenzentren bereitstellen können. In diese Richtung weist ebenfalls „Predictive Cloud Computing“ (PCC) von IBM. Diese neue Technologie wird bereits von den Veranstaltern von weltweit bekannten Golf- und Tennisturnieren sowie Medienkonzernen getestet. Allerdings geht es bei PCC nicht darum, auf Basis Cloud-gestützter Analysen der Schläger von Profis wie Rory McIlroy, Martin Kaymer oder Bubba Watson dem Hobbyisten den fatalen Linksdrall abzugewöhnen. Vielmehr sagt PCC den Zugriff von Golf-Fans auf bestimmte Web-Sites und Social-Media-Ressourcen vorher. Das wiederum ermöglicht es, den Bedarf an Server-Leistung einzuschätzen und per Cloud weitere Server-Systeme bereitzustellen. IBM hat zusammen mit den Veranstaltern von Golfveranstaltungen ermittelt, dass die Zahl der Zugriff auf Websites von Medienhäusern und Turnierveranstaltern zwischen 29.000 und 110.000 pro Minute schwankt. Statt nun Überkapazitäten vorzuhalten, werden Server- und Netzwerkressourcen proaktiv an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Dadurch lassen sich nach Angaben der Turnierveranstalter bis zu 50 Prozent der Server-Kapazitäten einsparen.

Golf wird zum Hightech-Sport

Die Niederländer und Schotten, die Anno Tobak mit einem Stock und Kieselsteinen zu Werke gingen, würden sich angesichts dieser Entwicklung die Augen reiben. Kein Wunder, dass in Anbetracht des hohen technischen Aufwands bei Profi-Golfturnieren neue Ideen hochkommen: Turniere müssten auf sechs statt zwölf Löcher begrenzt werden oder es sollten spezielle Mini-Turniere durchgeführt werden, bei denen sich ein Spieler mit den Ball mit möglichst wenigen Schlägen aus einem „Bunker“ herausbefördert. Offen ist, ob sich die Golfgemeinde darauf einlässt. Denn trotz allem Spaß an der Technik sind Golfspieler durchaus ein sehr traditionsbewusstes Völkchen.

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