Analysen
26. April 2016
AUTOR: Businesscloud.de

Sparen durch die Cloud: Was ungenutzte Software kostet

Viele Diskussionen um die Nutzung von Cloud-Services drehen sich darum, wie sicher Daten in einer Cloud sind oder welches Cloud-Modell das „richtige“ ist, beispielsweise eine Hybrid Cloud oder Private-Cloud-Umgebung. Dabei wird ein offenkundiger Nutzen oftmals übersehen: Dass die Cloud Geld sparen kann, und zwar nicht wenig.

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Etwa ein Viertel der Software in europäischen Unternehmen landet im „Mülleimer“, so eine Studie von 1E, einem britischen Software-Haus.

Und dies nicht nur deshalb, weil Unternehmen Rechenleistung oder Storage-Kapazitäten nach Bedarf bei einem Service Provider ordern können. Das bedeutet, dass die hauseigene IT-Abteilung in das meist eh bereits gut gefüllte Rechenzentrum nicht weitere Server oder Speichersysteme „quetschen“ muss. Vielmehr heißt das Zauberwort „Software“.

Software bunkern – und Geld verlieren

Von Programmen aller Art kann man offenkundig nicht genug haben. Dieser Auffassung scheinen viele Unternehmen und öffentliche Einrichtungen zu sein. Denn anders lassen sich die Zahlen nicht erklären, die das britische IT-Unternehmen 1E Software im Rahmen einer Studie ermittelt hat. Demnach wimmelt es in Unternehmen von „Software-Zombies“. Das sind Applikationen beziehungsweise entsprechende Lizenzen, die zwar angeschafft wurden, jedoch brachliegen.

Laut der Untersuchung sitzen alleine Unternehmen in den USA auf einem Berg ungenutzter Programme im Wert von 30 Milliarden Dollar. Nicht viel besser sieht es in Großbritannien aus: Dort beträgt der Wert der Programme, die zwar bezahlt wurden, aber in Software-Schränken oder auf Servern sanft vor sich hinschlummern, an die 5,7 Milliarden Pfund. Das sind umgerechnet mehr als 7,5 Milliarden Euro.

Diese Zahlen beziehen sich auf 35 Applikationen, die 1E für die Untersuchung heranzog.

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Geldverschwendung in großem Stil: Alleine in den USA beläuft sich der Wert ungenutzter Software auf 30 Milliarden Dollar. Bild: 1E

Alle Branchen betroffen

Leider ist in der Studie Deutschland nicht separat aufgeführt. Doch dürften auch Unternehmen in der Bundesrepublik ebenso viele „Software-Leichen“ im Keller liegen haben wie ihre Pendants in England. Für den Raum EMEA (Europa – Mittlerer Osten – Afrika) taxiert 1E Software den Anteil der ungenutzten Software-Lizenzen bezogen auf den Gesamtbestand auf 23 Prozent. Deutlich nachlässiger sind Unternehmen in den USA: Dort liegt der Prozentsatz bei 37 Prozent, also mehr als einem Drittel des Bestands.

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Rund 23 Prozent der Software, die Unternehmen im Raum Europa erworben haben, wird nicht eingesetzt. Noch nachlässiger sind Firmen in den USA und Kanada. Bild: 1E

Der allzu lässige Umgang mit Software ist ein Phänomen, von dem alle Branchen betroffen sind, vom Bildungsbereich über Industrie und Handel bis hin zu Behörden. Interessanterweise ist der Anteil der Software-Zombies auch in Unternehmen hoch, die eigentlich über eine besonders hohe Kompetenz in Bezug auf IT verfügen – solchen aus dem Technologie- und dem Kommunikationssektor (41 Prozent beziehungsweise 39 Prozent).

Wenig tröstlich ist, dass Behörden und öffentliche Einrichtungen mit einem Anteil von 28 Prozent ungenutzter Programmpakete am unteren Ende der Skala zu finden sind. Immerhin wird dadurch der Steuerzahler etwas weniger belastet. Doch verfahren auch öffentliche Einrichtungen nach demselben Muster wie Unternehmen: Sie legen die Kosten auf den Kunden beziehungsweise Bürger um. Das gilt auch für nicht genutzte Software.

Aus deutscher Sicht wenig erfreulich ist zudem, dass mittelständische Firmen mit einem „Zombie-Anteil“ von 41 Prozent in Bezug auf die Unternehmensgröße Spitzenreiter in puncto Software-Verschwendung sind. Denn bekanntlich dominieren in Deutschland in vielen Branchen Mittelständler. Somit ergibt sich dort ein besonders hohes Einsparpotenzial.

Von Terminalemulationen bis Grafiksoftware

Von den untersuchten Programmen bleiben vor allem Lizenzen der Terminalemulation Microfocus Attachmate Reflection X und von Microsoft Visio (jeweils 52 Prozent) ungenutzt. Auch die nicht gerade preisgünstige Grafik- und Bildbearbeitungssoftware Photoshop von Adobe (43 Prozent) liegt im vorderen Bereich. Spitzenreiter sind jedoch die Autodesk-Applikationen AutoCAD LT (61 Prozent) und Inventor (58 Prozent).

Nur um einen Eindruck zu vermitteln, was dieses „Laissez-faire“-Verhalten kostet: Eine Jahreslizenz von AutoCAD LT kostet 360 Euro (netto), Microsoft Office Visio Standard 2016 ist für rund 400 Euro zu haben.

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Rund 23 Prozent der Software, die Unternehmen im Raum Europa erworben haben, wird nicht eingesetzt. Noch nachlässiger sind Firmen in den USA und Kanada. Bild: 1E

Natürlich hat 1E die Studie nicht erstellt, um für die Cloud Werbung zu machen, sprich Software-as-a-Service-Modelle (SaaS). Das Unternehmen bietet vielmehr eine Lösung an, mit der sich die genutzten Lizenzen von Programmen im Unternehmensnetze erfassen und verwalten lassen. Dadurch wird transparent, welche Software tatsächlich genutzt wird.

Lösung: Software aus der Cloud

Doch in der Tat besteht eine Alternative zum Einkauf von Applikationen darin, Programmpakete als Software as a Service (SaaS) bei einem Cloud Service Provider zu ordern. Das hat den Vorteil, dass der Nutzer exakt die Zahl der Lizenzen buchen kann, die tatsächlich benötigt werden. Bei einer Kostenbetrachtung sollten zudem weitere Faktoren berücksichtigt werden, etwa dass der Service Provider die Server-Infrastruktur stellt und die Aufgabe übernimmt, die Software auf dem aktuellen Stand zu halten.

Natürlich kann es auch in diesem Fall vorkommen, dass User eine Applikation nicht mehr oder nur noch unzureichend nutzen. Doch das lässt sich mithilfe von Management-Tools auf relativ einfache Weise feststellen. Vor allem für mittelständische Unternehmen, die häufig über keine übermäßig gut ausgestattet IT-Abteilung verfügen, ist es somit eine Überlegung wert, Applikationen aus der Cloud zu beziehen, und zwar nur so viele, wie tatsächlich genutzt werden.


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