Interviews
05. Juni 2018
AUTOR: Businesscloud.de

„Unser Public-Cloud-Marktplatz löst nicht nur das Schatten-IT-Problem.“

Interview mit Simon Russin, Senior Manager Public Cloud bei CANCOM Pironet

Würde in ein paar Tagen nicht die Fußball-, sondern die Cloud-Weltmeisterschaft beginnen, dann wäre der Sieger bereits klar: Auf Platz eins steht unangefochten die Public Cloud. Welche Studien von welchen Analysten man auch liest: Alle haben zum Ergebnis, dass die Public Cloud boomt. Warum das so ist? Darüber haben wir uns mit unserem Kollegen Simon Russin unterhalten – einem unserer Public-Cloud-Experten.

Mindestens drei gute Gründe für die Public Cloud

Business-Cloud.de: Egal, ob IDC und Forrester, Gartner, ISG, Crisp Research oder Bitkom – alle Studien zeigen einen klaren Trend zur Public Cloud. Warum ist diese Cloud-Form aktuell so beliebt?

Simon Russin: Es gibt viele gute Gründe für die Nutzung von Public Clouds. Die drei wichtigsten sind meiner Meinung nach folgende:

Erstens sind Public Clouds ideal für die digitale Transformation – sie bilden sozusagen den Nährboden für echte Innovationen. Unternehmen erhalten fertige Out-of-the-Box-Lösungen für den Einsatz bei Internet of Things, Machine Learning oder anderen Zukunftstechnologien. Außerdem profitieren sie stets von der neuesten Version mit neuen Funktionen bei ihren Applikationen. Zudem bieten Public Clouds größtmögliche Flexibilität: Ein Unternehmen kann damit umgehend Innovationen realisieren beziehungsweise auf sich ändernde Geschäftsanforderungen reagieren.

Zweitens sind Public Clouds kostengünstig: Es muss weder in Software und Software-Updates noch in Hardware investiert werden. Es gibt also eine Verschiebung von CAPEX zu OPEX, also von Investitionskosten zu Betriebskosten. Auch werden Fix- und sprungfixe Kosten vermieden. Und: Es muss nur die Leistung bezahlt werden, die tatsächlich benötigt worden ist.

Drittens machen Public Clouds der IT das Leben leichter: Gerade bei Commodity Services wie Exchange oder der Bereitstellung einfacher Virtuell Machines kann die IT deutlich entlastet werden und hat so wieder Zeit für anspruchsvollere Aufgaben.

Riesige Public-Cloud-Vielfalt

Business-Cloud.de: Es gibt ja nicht die eine Public Cloud, welche einem Unternehmen alle diese Vorteile verschafft, sondern es sind viele Public Clouds.

Simon Russin: Richtig, das Angebot ist riesig und lässt sich in die Bereiche Software as a Service sowie Infrastructure as a Service und Platform as a Service unterteilen.

Was IaaS und PaaS anbelangt, so gibt es zwar ein paar Dutzend Anbieter in diesem Umfeld. Wirkliche Relevanz haben aber nur Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud Platform und IBM Cloud. Zukünftig wird Alibaba Cloud an Bedeutung zunehmen, insbesondere bei Unternehmen, die in China aktiv sind.

Bei SaaS ist das Angebot sogar noch vielfältiger. Hierzu tragen auch wir mit unserem Cloud-Enabling-Programm bei. Damit unterstützen wir Legacy ISVs bei dem Schritt zu einem Cloud-Angebot.

Die Spitzenposition bei SaaS-Applikationen haben Office-Anwendungen wie Microsoft Office365 und Google G-Suite, gefolgt von Security as a Service wie F-Secure und Symantec sowie Business File-Sharing-Lösungen wie Box.com. Aber auch etwas exotischere Lösungen wie Welcome vom Software Club werden immer beliebter auf unserem Marketplace.

Großer Verwaltungsaufwand?

Business-Cloud.de: Das klingt jetzt alles wunderbar »rosawolkig«: Die Unternehmen haben eine Reihe von echten Vorteilen und eine riesige Auswahl, die ihnen wirklich alles an SaaS, IaaS und PaaS bietet, was sie brauchen. Doch wie kann die IT die vielen unterschiedlichen Public Clouds managen? Im schlimmsten Fall weiß sie ja gar nicht, welche Clouds die Fachabteilungen bereits »heimlich« nutzen – Stichwort Schatten-IT.

Simon Russin: Viele IT-Abteilungen fürchten, die Kontrolle über Teile der IT zu verlieren und versuchen deshalb, Cloud-Services zu verhindern. Die Praxis zeigt aber, dass ein Verbot von Public Clouds genau das Gegenteil bewirkt: Es entsteht eine dynamische Schatten-IT, weil sich Innovationen, die aus den Fachabteilungen vorangetrieben werden, durch solche Verbote kaum aufhalten lassen. Deshalb sollte die IT-Abteilung lieber feste Leitplanken für die Cloud-Nutzung aufstellen. Ein solcher Rahmen wäre zum Beispiel unser BusinessCloud Marketplace.

Und das Go für die Fachabteilungen, sich zum Beispiel aus unserem Public-Cloud-Marktplatz zu bedienen, löst nicht nur das Schatten-IT-Problem. Es hält auch den Cloud-Verwaltungsaufwand gering. Statt verschiedener Verträge, Rechnungen und Logins gibt es einen Single-Point-of-Contact: Ein Unternehmen kann alles an SaaS, PaaS und IaaS von einem einzigen Anbieter beziehen – mit einem Vertrag, einer Rechnung und vor allem einem einzigen Login für alle Clouds.

Und die Sicherheit?

Business-Cloud.de: Auch wenn unser BusinessCloud Marketplace den Unternehmen hilft, ihre vielen Public Clouds so zu beziehen, als wäre es eine einzige Cloud, sämtliche Angebote auf unserem Cloud-Marktplatz sind »öffentlich« und damit niemals so sicher wie eine Private-Cloud-Lösung. Ist aus Sicherheitsaspekten eine Private Cloud nicht empfehlenswerter?

Simon Russin: Objektiv betrachtet ist eine Public-Cloud-Lösung nicht unsicherer als eine Private Cloud. Dies können die Public-Cloud-Anbieter durch enorm hohe Investitionen in IT-Sicherheit und Fachpersonal sicherstellen. Es gibt aber auch Workloads, die besser in einer Private Cloud abgebildet werden können und sei es nur für ein gutes Bauchgefühl. Daher profitieren unsere Kunden davon, dass CANCOM Pironet ein Multi-Cloud Provider ist. Bei uns erhält jedes Unternehmen den Mix an Public und Private Clouds, den es benötigt.

Business-Cloud.de: Vielen Dank für das Gespräch. Ach, doch noch eine Frage: Dein Tipp, wer gewinnt die Fußballweltmeisterschaft?

Simon Russin: Ich hoffe sehr, dass wir den Titel verteidigen werden.


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