Analysen
28. Januar 2015
AUTOR: Businesscloud.de

Lieber Stehsekretär als Cloud?

Ja, es gibt sie noch, die guten Dinge mit dem gewissen Nostalgiewert. Sie sind beispielsweise bei Manufactum und Co. zu finden, für einen mittleren bis gehobenen Nostalgie-Preisaufschlag. Arbeitsplatzutensilien wie etwa der Stehsekretär aus Kirschbaumholz für lässige 2.290 Euro erinnern an die Zeiten, als die Herren Kommerzienrat oder Gymnasialdirektor noch mit Füllfederhalter und Papier den Lauf der Welt lenkten. Damals waren eigenartige Dinge wie „Computer“, „Internet“ oder gar „Cloud“ nicht einmal im Entferntesten vorstellbar. Und so lange liegt diese Zeit noch gar nicht zurück, wenn man Opa oder Oma fragt. Business_Cloud_Workplace_Manufactum

Arbeitsplatz damals: Auf dem Stehsekretär von Manufactum haben natürlich auch Tablets und Notebooks mit Anbindung an das Internet und Cloud-Computing-Umgebungen Platz. Bild: Manufactum

Heute sieht ein Arbeitsplatz natürlich ganz anders aus. Nach Angaben des deutschen High-Tech-Verbandes Bitkom verwendeten im Jahr 2013 in Deutschland 61 Prozent der Beschäftigten einen Computer. Zum Vergleich: In der Europäischen Union betrug der Wert 54 Prozent. Stehpult, Edelfeder und Papier haben somit zumindest in den meisten deutschen Büros keinen Platz mehr oder dienen bestenfalls dazu, mal eben schnell ein paar Notizen zu machen.

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Arbeitsplatz heute: In Deutschland verwenden mehr als 60 Prozent der Beschäftigten mittlerweile einen Computer. Grafik: Bitkom

Evolution: Workplace goes Cloud

Doch damit nicht genug. Der Computer-Arbeitsplatz alter Prägung wird mittelfristig dasselbe Schicksal erleiden wie Stehpult und Schreibmaschine, so eine Studie der Marktforschungsgesellschaft Pierre Audoin Consultants (PAC). Demnach sind 61 Prozent der mittelständischen und größeren Unternehmen in Deutschland gegenüber Cloud-basierten Arbeitsplatzlösungen aufgeschlossen. Laut der Untersuchung plant oder diskutiert jedes vierte deutsche Unternehmen den Auf- oder Ausbau einer Cloud-Lösung in den Bereichen gemeinsames Bearbeiten von Dokumenten (Document Sharing), Web- und Videokonferenzen und E-Mail. Business_Cloud_Workplace_Bereitstellung_Heute_PAC

Noch dominiert das eigene Rechenzentrum: Ein Großteil der Firmen stellt Büroanwendungen nach wie vor über eigene Server und TK-Systeme bereit. Cloud-gestützte Ansätze holen jedoch stark auf. Bild: PAC

Bislang dominiert in diesen Bereichen allerdings noch der herkömmliche Ansatz, also entsprechende Anwendungen über eigene Server bereitzustellen. Bei Mail- und Kalenderanwendungen ist das in 78 Prozent der Firmen der Fall, bei Web-/Videokonferenzen in 43 Prozent. Obwohl Microsoft vehement für ihre Cloud-basierte Office-Version „Office 365“ wirbt, herrscht bei den potenziellen Nutzern ein gewisses Misstrauen vor. Laut PAC planen nur 8 Prozent der Firmen einen Umstieg auf die Cloud-Variante, an die 12 Prozent diskutieren immerhin darüber.

Konservative Haltung bei Bereitstellungsmodellen

Generell geht PAC davon aus, dass bei den Kernanwendungen, also Document Sharing, Conferencing, E-Mail und Kalender, ein zweistelliger Zuwachs der Nutzer von Cloud-gestützten Lösungen pro Jahr zu erwarten ist, von etwa 20 bis 30 Prozent. Interessanterweise zeigen sich vor allem kleinere Unternehmen der Cloud gegenüber aufgeschlossen. Eine gewisse „Stehpultsekretär“-Mentalität ist allerdings bei der Bereitstellung der Cloud-Lösungen zu beobachten: Der Anteil der Unternehmen, die externe Cloud-Services verwenden, die spezialisierte Provider bereitstellen, liegt laut PAC nur bei 3 bis 5 Prozent. Etwas besser sieht es bei E-Mail/Groupware (8 Prozent) und Conferencing-Anwendungen (10 Prozent) aus. Business_Cloud_Workplace_Cloud_Anwendungen_Planung_PAC

Arbeitsplatzapplikationen gehen in die Cloud: Vor allem Document-Sharing, Konferenzlösungen sowie E-Mail und Kalenderfunktionen werden in Clouds ausgelagert. Bild: PAC

Hier spielen sicherlich die Nachwirkungen der NSA-Affäre eine Rolle. Dementsprechend führen die meisten Befragten denn auch Sicherheitsbedenken als größtes Hemmnis für die Nutzung Cloud-basierter Arbeitsplätze an. An die 80 Prozent der Befragten nannten konkret den Zugriff von Geheimdiensten auf Geschäftsdaten als Hemmfaktor bei der Einführung von Cloud-Lösungen.

Kritikpunkte: Reifegrad der Angebote

Zwei Punkte sollten allerdings den Anbietern von Cloud-Lösungen zu denken geben: Etliche Interessenten monieren, dass die Angebote „unausgereift“ seien und ein „unattraktives Kosten-/Nutzenverhältnis“ böten. Hier müssen die Cloud-Service-Provider offenkundig nachbessern. Möglicherweise mangelt es auch an aussagekräftigen Best-Practice-Materialien und Kostenbeispielen, mit denen Kunden überzeugt werden können. Dazu zählen beispielsweise Konzepte für eine „Mischlösung“, etwa Hybrid Clouds. Business_Cloud_Workplace_Kritikpunkte_PAC

Kritikpunkt: Nicht nur Sicherheitsbedenken spielen in der Diskussion um Cloud-Services eine Rolle, sondern auch Zweifel an der Reife und dem finanziellen Nutzen. Bild: PAC

Denn anderen Studien zufolge, etwa von IDC Deutschland, gehen Unternehmen in Deutschland sehr wohl dazu über, hybride Cloud-Umgebungen aufzubauen: Ein Teil der Daten und Anwendungen wird in diesem Fall über eine interne Private Cloud bereitgestellt, ein Teil der Applikationen, Plattformen und Infrastrukturdienste kommt von „außen“, also einem externen Cloud-Service-Provider. Laut einer Studie von IDC vom Herbst 2014 wollen in zwei Jahren 69 Prozent der Unternehmen eine Hybrid-Cloud nutzen, mehr als die Hälfte greift zudem auf Public Clouds zurück. Business_CLoud_Workplace_Hybrid_Cloud_IDC

Hybrid-Ansätze besonders beliebt: Hybrid-Cloud-Umgebungen, in der Private- und Public-Cloud-Dienste gemeinsam genutzt werden, waren laut IDC 2014 in Deutschland besonders beliebt. Bild: IDC

Das lässt darauf schließen, dass sich auch extrem sicherheitsbewusste Kunden sehr wohl für einen „Arbeitsplatz in der Cloud“ begeistern ließen. In diesem Fall könnte ein Unternehmen besonders sicherheitskritische Services entweder über eine interne Cloud oder von einem hoch zuverlässigen „Cloud-Service-Provider seines Vertrauens“ beziehen, weniger sensitive Services dagegen über eine Public Cloud.

Cloud-Rechenzentrum soll in Deutschland stehen

Doch zurück zu den Workplaces. Ein Faktor ist laut der Untersuchung von PAC für die meisten Firmen, die IT-Arbeitsplätze ganz oder teilweise in eine Cloud-Umgebung verlagern möchten, extrem wichtig: wo sich das Rechenzentrum des Cloud-Service-Providers befindet. An die 57 Prozent der Unternehmen bestehen auf dem Standort Deutschland, weitere 30 Prozent sind mit einem EU-Mitgliedsland zufrieden.

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Made in Germany: Ein Großteil der deutschen Firmen bevorzugt Cloud-Anbieter, deren Datacenter hierzulande oder zumindest der EU stehen. Bild: PAC

Nur 8 Prozent würden einen Standort außerhalb der Europäischen Union akzeptieren, vorausgesetzt, auch dort würden europäische Datenschutzrichtlinien eingehalten. Das können beispielsweise Provider in der Schweiz oder Norwegen sein.

Die Symbiose: Der Cloud-Arbeitsplatz auf dem Kirschbaum-Stehpult

Doch „Workplace“ hin, „Cloud“ her, auch in solchen hochmodernen Arbeitsumgebungen haben Mitarbeiter mit Stil durchaus die Möglichkeit, ihren Stehsekretär aus Kirschbaumholz nutzbringend einzusetzen. Denn die Schreibfläche 45 cm x 33 cm eignet sich exzellent für einen Tablet-Rechner oder ein Ultrabook, selbstverständlich eines mit Zugang zum Internet und Cloud-basierten Anwendungen respektive virtualisierten Desktop-Umgebungen. Selbst ein Tablet mit 12-Zoll-Bildschirm wie das Samsung Galaxy Note Pro 12,2 mit seinen 29,6 x 20,4 Zentimetern hat darauf locker Platz, ganz zu schweigen vom iPad Air 2 (24,0 x 16,95 Zentimeter). Selbst ein Edel-Business-Ultrabook wie das Toshiba Portégé Z30t-A-11H für 2.349 Euro lässt sich mit Maßen von 31,6 x 22,7 Zentimetern locker auf dem Stehpult unterbringen. In diesem Fall würde der Preis des „elektronischen Arbeitsplatzes“ den des Stehsekretärs aus Kirschbaumholz sogar noch übertreffen.

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