Interviews
07. Juni 2010
AUTOR: Businesscloud.de

Wozu Cloud Computing?

Im Rahmen eines Presseinterviews wurde ich zum Thema Cloud Computing befragt. Wie immer in der Zeitung musste natürlich gekürzt werden. Aber Fragen und Antworten geben, wie ich finde, einen guten Einstieg ins Cloud Computing, weswegen wir das Interview in seiner ungekürzten Form hier zugänglich machen.

Wozu braucht man Cloud Computing?

Cloud Computing ist heute Mittel zum Zweck. Praktisch ist es ein weiteres Beschaffungsmodell für Informationstechnologie, das es ermöglicht, beliebige IT-Ressourcen bedarfsabhängig ohne weitreichende Verpflichtungen zu beziehen. Im Vergleich zu den meisten anderen IT-Bezugsmodellen basiert Cloud Computing auf hochgradig standardisierter Massenproduktion und eignet sich somit besonders für IT-Infrastrukturen und Standard-Software.

Wann und für wen lohnt sich Cloud Computing?

Das lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Das Cloud-Computing-Modell bringt aufgrund seiner heutigen Ausprägungen viele Vorteile, aber auch einige Nachteile mit sich. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Infrastruktur- und Plattform-Dienste aus der Cloud eher bei sehr großen Unternehmen Sinn machen, da es hier in der Regel auch IT-Abteilungen gibt, die über die notwendigen Ressourcen und das Know-how verfügen, solche Cloud-Dienste sinnvoll in das Unternehmen zu integrieren. Eine weitere Zielgruppe für solche Dienste sind Software-Hersteller, die vor der Herausforderung stehen, ihre eigenen Lösungen in die Cloud zu stellen. Anders sieht es bei Software-Lösungen aus der Cloud aus, also „Software as a Service“. Hier bietet sich gerade für kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit, schlüsselfertige Software-Lösungen aus der Cloud zu nutzen, um von den Kostenvorteilen und der Flexibilität in der Beschaffung zu profitieren. Aber auch unabhängig von der jeweiligen Unternehmensgröße gibt es immer wieder Szenarien, in denen es sich anbietet auf Cloud Lösungen zu setzen. Beispiele sind Unternehmen mit stark divergierenden Geschäftsverläufen, saisonalem Geschäft oder wenn es in einem Projekt einfach mal schnell gehen muss.

Wie ermittelt man vor dem Start zuverlässig die Kosten?

Die Abrechnungsmodelle von Cloud-Computing-Lösungen orientieren sich meist an den jeweiligen Bezugsmodellen. Das bedeutet, dass die Kosteneinheiten je Lösung durchaus unterschiedlich sein können, aber immer im direkten Bezug zur eigentlichen Lösung stehen. So kann zum Beispiel der Bezug einer ERP-Software aus der Cloud simpel an der Anzahl der Mitarbeiter, die mit der Software arbeiten sollen, festgemacht werden. Die Abrechnung würde dann wahrscheinlich pro Mitarbeiter und Monat stattfinden. Mit solchen bedarfsgerechten Abrechnungsmodellen können Unternehmen nicht nur die laufenden und zukünftigen Kosten zuverlässig planen. Sie sind ebenso in der Lage, ihre Kosten durch das Abrechnungsmodell flexibel dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. In der Regel monatlich. Jedoch gibt es neben den eigentlichen Bezugskosten in einer Vollkostenbetrachtung natürlich noch weitere Komponenten. Auch bei Cloud-Computing-Lösungen sollte man an Schulungs- und Beratungsaufwände denken. Unberechenbare Einführungs- und Wartungskosten für Softwareanpassung, Hardware und Rechenzentrum fallen bei Cloud Computing vollständig weg.

Ist die Technologie ausgereift?

Teilweise. Auch hier kann man keine allgemeingültige Aussage treffen. Der Reifegrad von Cloud-Computing-Lösungen unterscheidet sich zwischen den unterschiedlichen Anbietern teilweise erheblich. Auf der einen Seite gibt es bereits viele etablierte Anbieter, die seit vielen Jahren bewährte und erfolgreiche Cloud-Dienste bereitstellen. Andererseits sorgt gerade die aktuelle Publicity rund um die Cloud dafür, das sich viele neue und unerfahrene Anbieter im Markt positionieren. Über die Grundlagen und die Funktionsweise von Cloud Computing herrscht heute bereits ein gemeinsames Verständnis. Bei den jeweiligen technischen Ausprägungen und Standards herrscht hingegen noch Uneinigkeit. Die dominierenden IT-Anbieter versuchen nach wie vor, ihre eigenen proprietären Standards durchzusetzen. An herstellerübergreifenden Standards, die Unternehmen helfen würden, mit mehreren Cloud Anbietern zusammenzuarbeiten, mangelt es noch. Insgesamt stehen wir noch am Anfang der gesamten Entwicklung. Das zeigt jedoch auch, wie groß das Potential von Cloud Computing ist. Die IT-Welt, wie wir sie heute kennen, wird durch neue webbasierende Standards und Bezugsmodelle wie Cloud Computing bereits in wenigen Jahren nicht mehr wiedererkennen zu sein. Die jetzt schon spürbaren Umbrüche in den Konsumgüterbranchen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs und genauso richtungsweisend für die nächste Generation von Unternehmens IT.

Warum machen das in Deutschland noch nicht so viele?

Hier gibt es zwei Seiten die zu betrachten sind: Die Verbreitung von Cloud Computing, gerade auch in Deutschland ist bereits deutlich weiter, als man landläufig meint. Zum einen gibt es internetnahe Dienste, wie z. B. Websites, E-Mail sowie Kommunikationsanwendungen, die heute schon auf Basis von Cloud-Computing-Plattformen bei großen Telekommunikations-Anbietern laufen. Das gilt für Endverbraucher genauso wie für Unternehmenskunden unterschiedlichster Größe. Aber auch speziell in der Business-IT-Welt haben Sich Cloud-Computing-Plattformen schon sehr früh bei großen IT-Outsourcing-Unternehmen etabliert. Alle großen IT-Outsourcer produzieren heute bereits wesentliche Teile ihrer Services auf eigenen Cloud-Computing-Infrastrukturen. Betrachtet man jedoch das Feld klassischer IT bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, fernab von internetnahen Diensten und großen Outsourcern, wird klar das die Verbreitung von Cloud Computing dem aktuellen Hype nicht annähernd entspricht. Viele Anbieter und Analysten erklären das mit hohen Compliance-Anforderungen und fehlendem Vertrauen in Datenschutz und Datensicherheit bei den Kunden. Auch wenn diese Punkte durchaus berechtigt sind, ist die Ursache der geringen Verbreitung nicht bei den Kunden, sondern bei den Anbietern zu suchen. Ein Blick auf die tatsächlich verfügbaren Cloud-Computing-Angebote in Deutschland zeigt, dass selbst große Anbieter noch nicht in der Lage sind, ein attraktives Produkt-Portfolio anzubieten, das alle typischen Anforderungen eines mittelständischen Unternehmenskunden abdecken könnte. Tatsächlich gibt es eine Flut von Infrastruktur-Angeboten aus der Cloud, die kaum jemand benötigt, aber im Gegensatz dazu sind echte Geschäftsapplikationen als Software-as-a-Service nur selten zu finden. Hier liegen die Herausforderungen meiner Meinung nach eher auf Anbieterseite als im Markt.

Welche Wachstumsraten erwarten Sie in den kommenden 5-10 Jahren?

Das ist schwer zu beantworten, da die eigentlichen Auslöser für die weite Verbreitung noch nicht gegeben sind. Die aktuelle Marktforschung geht von derzeit ca. 25 Prozent jährlichem Wachstum aus. Wenn die Rahmenbedingungen vorhanden sind, kann ich mir auch ein deutlich rasanteres Wachstum vorstellen.

Was sind die Vor- und Nachteile, wenn man einen Anbieter wie Pironet NDH Datacenter wählt, gegenüber Riesen wie Amazon, Microsoft, IBM, Google, T-Systems?

Pironet NDH Datacenter ist spezialisiert auf integrierte Cloud-Computing-Lösungen für mittelständische Geschäftskunden. Das bedeutet, dass wir im Gegensatz zu großen IT-Herstellern viele verschiedene Lösungen miteinander integrieren können und über Cloud Computing als optimales Bezugsmodell für unsere Kunden distribuieren. Ich glaube nicht, dass sich in absehbarer Zeit ein homogener Anbieter-Standard im Bereich Business-IT etablieren wird. Die Aufgabe beim Cloud Computing wird daher auch langfristig die Integration unterschiedlicher Lösungen von verschiedenen Anbietern sein. Das wir selbst „nur“ ein mittelständischer Anbieter sind, halte ich für einen Vorteil. Wir sind damit in der Lage, flexibel im Markt zu agieren, und können auch unseren Zielmarkt, den deutschen Mittelstand auf Augenhöhe bedienen.

Was ist zu tun, wenn vertrauliche unternehmensinterne oder personenbezogene Daten im Spiel sind?

Man sollte sich für die Auswahl des Anbieters und die Umsetzung des Vorhabens, besonders bei der Vertragsgestaltung, genügend Zeit nehmen. Art und Umfang des Cloud-Computing-Vorhabens bestimmen auch die möglichen Risiken bei Datenschutz und Datensicherheit. In jedem Falle muss man die technische als auch die organisatorische Umsetzung des Cloud Computings verstehen und sich bewusst machen. Die tatsächliche Architektur aus Software, Hardware und Rechenzentrum sollte dabei nachvollziehbar und transparent dokumentiert sein. Die Verantwortlichkeit über die eigenen Daten verbleibt auch bei Cloud Computing immer beim Auftraggeber. Daher sollte sich niemand einfach nur auf die „Wolke“ verlassen.

Wie lassen sich Risiken vermeiden?

Hier spielt die Wahl des Anbieters die wichtigste Rolle. Der deutsche Gesetzgeber regelt in weiten Teilen ein vernünftiges Minimum für den Bereich des Datenschutzes, auch bei Outsourcing-Modellen. Beim Cloud Computing empfiehlt sich die Wahl eines Anbieters, der auch im gleichen Rechtsraum agiert. Das heißt, deutsche Unternehmen sollten möglichst einen hiesigen Anbieter oder zumindest die deutsche Niederlassung eines internationalen Anbieters beauftragen. Weitere Aspekte, die es im Rahmen von Cloud-Diensten zu beachten gilt, sind: Lizenzrechte, Urheberrechte, Haftung, Datenschutz, Datensicherheit sowie Rechte auf Daten bei Beendigung des Vertrags. Auch wenn die einzelnen Aspekte teilweise sehr weitreichend und komplex sind, so ist die Umsetzung in konkreten Verträgen und Service-Level-Agreements bei den meisten Anbietern schon gelebte Praxis.

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