Analysen
17. November 2011
AUTOR: Businesscloud.de
Beim Cloud Computing ist meist die Rede von Hardware-Ressourcen und einzelnen Softwarelösungen, die Unternehmen als Service aus dem Netz beziehen. Doch gerade für den Mittelstand verspricht ein anderes Anwendungsfeld gegenwärtig den größten Nutzen: Virtual Desktop, sprich: die Verlagerung eines lokalen Desktops in die Cloud.

Die Vision von Bill Gates – und was sie Unternehmen kostet

Kein Mensch hat unsere Arbeitswelt dermaßen verändert wie Bill Gates. Seine Windows-Desktops haben es mittlerweile auf fast jeden Schreibtisch geschafft. Aber nach dreißig Jahren hat der Personal Computer Speck angesetzt – und Gates Vision kommt Unternehmen teuer zu stehen. Desktops verschlingen mittlerweile ein Drittel des IT-Budgets. Schuld ist der hohe Wartungsaufwand für die kleinen Alleskönner. Durchschnittlich zwei Stunden muss ein PC jeden Monat in die Boxengasse. Analysten von Techconsult haben ausgerechnet: Bei einem Unternehmen mit 250 Bildschirmarbeitsplätzen summiert sich das auf 62 Personentage (monatlich!), allein um den Computerbetrieb zu gewährleisten.

Ein kleines Rechenzentrum auf jedem Schreibtisch

Es ist ihre Komplexität, die Desktop-Rechner so anfällig macht und ihre Wartung anspruchsvoll. Kein Wunder, dass in vielen Unternehmen immer noch Windows XP seinen Dienst verrichtet. Besonders der Mittelstand arbeitet lieber mit einem elf Jahre Oldie, als sich die aufwendige Migration ihrer PCs-Infrastruktur aufzuhalsen. Durch Virtualisierung bekommen Unternehmen zentrale Probleme beim Management einer Desktop-Landschaft in den Griff

Virtual Desktop – den Desktop simulieren

Müssen sich Desktop-Nutzer in den Büros nun darauf einstellen, mit Windows XP alt zu werden? Nicht wenn die Desktop-Umgebung von ihren Hard- und Software-Fesseln befreit wird. Das Stichwort heißt: Virtual Desktop bzw. Desktop-Virtualisierung. Dahinter steht der Ansatz, den lokalen Desktop samt Betriebssystem, Applikationen und Daten nicht mehr auf dem lokalen Rechner zu betreiben, sondern als virtuellen Desktop im Rechenzentrum.

Lokale Wartung entfällt

In einer Virtual-Desktop-Welt ändert sich für die Anwender – zunächst einmal – nichts. Sie arbeiten weiterhin in ihrer gewohnten Betriebssystem-Umgebung und nutzen dort ihre Anwendungsprogramme. Doch für die IT-Abteilung stellt sich das Management der betrieblichen Desktop-Landschaft völlig neu dar. Denn alle anspruchsvollen – und wartungsintensiven – Komponenten werden jetzt im Rechenzentrum statt auf jedem einzelnen PC betrieben. Dadurch entfällt die lokale Wartung nahezu vollständig.

Schnelleres Roll-out

Updates für das Betriebssystem, Sicherheitspatches oder neue Versionen einer Anwendungssoftware muss die IT-Abteilung oder ein entsprechender Dienstleister nur noch einmal aufspielen statt lokal an jedem Rechner. Neue Arbeitsumgebungen lassen sich in Minuten anlegen und freischalten. Das verringert nicht nur den Aufwand, um einen neuen Arbeitsplatz einzurichten. Erst recht beim Aufbau eines neuen Bürotrakts oder einer ganzen Niederlassung macht sich die Zentralisierung bezahlt.

Lizenzen im Griff

Die Virtualisierung stopft endlich auch ein alt bekanntes Kostenloch herkömmlicher Desktop-Landschaften: überflüssige Software-Lizenzen. Ungenutzte oder ausgemusterte Rechner, mit denen auch die darauf installierten Windows- oder Office-Pakete im Hardware-Lager vor sich hin dämmern, gehören der Vergangenheit an. Nach einer Untersuchung der britischen Beratungsfirma Informatica räumten 81 Prozent aller europäischen IT-Manager solche „Restposten“ ein.

Geringere Support-Kosten

Wartungsarme Desktops, Transparenz bei Lizenzen und zentrales Aufschalten neuer PC-Arbeitsplätze schlagen sich zudem in reduzierten Support-Kosten nieder – ein Faktor, der häufig übersehen wird. Da alle Prozesse zentral zusammenlaufen, können Unternehmen ihre Support-Prozesse rationalisieren und bei steigendem Bedarf auch besser skalieren.

Mehr Beweglichkeit für Wissensarbeiter

Apropos Home Office: Unsere Arbeitswelt verändert sich dramatisch. Der Bürojob von neun bis fünf repräsentiert immer weniger unseren Berufsalltag und erst recht nicht seine Zukunft. Paradoxerweise ist die IT in Unternehmen nicht der Taktgeber für diese Veränderungen, sondern ihre stärkste Bremse. Kein Wunder: Es fehlt es schlicht an Ressourcen, um auch noch Exotisches wie Tablets, die für den Consumermarkt entwickelt wurden, in die Unternehmens-IT einzubinden oder Support für Heimbüros anzubieten. Desktop-Virtualisierung setzt diesem Interessenkonflikt ein Ende. Mit einem Virtual Desktop hat ein Mitarbeiter einfach per Browser Zugriff auf seinen Büro-Desktop samt Applikationen und Daten – am heimischen PC oder unterwegs. Der Browser dient dabei als Fenster zur Unternehmens-IT. Der Support durch die IT-Abteilung kann sich auf die Bereitstellung der Online-Umgebung beschränken. Moderne Virtualisierungslösungen sorgen dafür, dass der Zugriff auf die sensiblen Systeme auch über Fremdrechner sicher ist. Sogar die technische Einbindung von Endgeräten ist bei der Desktop-Virtualisierung wartungsfrei. Über den Virtual Desktop im Browser haben Nutzer automatisch auch Zugriff auf Drucker oder Serverlaufwerke. Welcher Nutzer braucht welchen Virtual Desktop? Durch unterschiedliche Virtualisierungsansätze lassen sich nahezu alle Nutzerrollen abdecken.

Die Qual der Wahl: Welches Verfahren ist das richtige?

Bei der Entscheidung für die beste Virtualisierungs-Methode macht es die Industrie Unternehmen jedoch nicht leicht. Ein Begriffswirrwarr erschwert die Evaluation der unterschiedlichen Ansätze. Drei davon gehören derzeit zu den wichtigsten: Terminal Services, Client Hosted VDI sowie Server Hosted VDI.

Terminal Services für standardisierte Desktop-Arbeitsplätze

Terminal Services, alias Server based Computing, alias Presentation Virtualization, alias Session Virtualization setzten auf Standardisierung. Nutzer erhalten eine komplette Windows-Umgebung mit Standard-Applikationen. Dafür haben sie kaum Individualisierungsmöglichkeiten. So können sie etwa keine eigenen Programme installieren – was sie in den meisten Unternehmen allerdings ohnehin nicht dürfen. Der Charme dieses Konzepts besteht in den geringen Hardware-Anforderungen und der außerordentlich guten Skalierbarkeit. Auf Nutzerseite reichen deutlich “schlankere” Endgeräte aus, ohne Festplatte und Hochleistungsprozessor. Solche Thin-Clients benötigen weniger Strom als beispielsweise ein ausgewachsener PC – und sind einfacher zu warten. Ebenso genügsam sind Terminal Services bei den serverseitigen Hardware-Ansprüchen. Dadurch lässt sich eine Desktop-Infrastruktur schnell und kostengünstig skalieren. Ihre technischen Stärken empfehlen Terminal Services für das Gros der Bildschirmarbeitsplätze in Unternehmen. Denn die meisten Mitarbeiter arbeiten lediglich mit Standardanwendungen wie einem E-Mail-Client, Office Paket und wenigen weiteren Programmen.

Client Hosted VDI: Auch offline mit dem Virtual Desktop arbeiten

Für den Bedarf so genannter Power-User eignet sich Client Hosted VDI, alias Managed Desktop Virtual Machines, alias Distributed Virtual Desktop – local hosted. Hierbei läuft die Desktop-Umgebung trotz Virtualisierung auf dem lokalen PC des Nutzers, allerdings gekapselt in einer virtuellen Maschine. Deren Original wird zentral im Rechenzentrum vorgehalten. Bei Bedarf, etwa bei einer Neuinstallation, wird eine Kopie der kompletten Desktop-Umgebung automatisiert auf den Client-Rechner über das Netzwerk übertragen. Ebenso lassen sich Updates und andere Wartungsarbeiten zentral vornehmen. Wesentlicher Vorteil: Der Virtual Desktop steht auch ohne Onlineverbindung zur Verfügung und lässt sich weitgehend an die Wünsche des Nutzers anpassen, inklusive der Installation von Programmen. Ein klassisches Einsatzgebiet von Client Hosted VDI sind Desktop-Umgebungen, auf die ein Anwender auch unterwegs zugreift, wenn kein Internetzugang gewährleistet ist wie etwa in der Bahn.

Server Hosted VDI: Mehr Freiheit für die Nutzer

Noch relativ neu ist der Ansatz Server Hosted VDI. Ebenso wie bei der Client-Variante haben Nutzer weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten. Doch bei Server Hosted VDI läuft der Desktop nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum und setzt mithin eine ständige Onlineverbindung voraus. Server Hosted VDI stellt somit eine interessante Alternative zu Terminal Services dar, wenn Unternehmen auch beim stationären Desktop-Betrieb mehr Wahlfreiheit für die einzelnen Nutzer wollen.

Die Frage nach dem Betrieb

Wie eine aktuelle Studie von IDC bestätigt, setzt vor allem der Mittelstand auf Desktop-Virtualisierung. Spitzenreiter mit 78 Prozent sind Unternehmen mit 500 bis 999 Rechnerarbeitsplätzen. Der Grund für den großen Zuspruch: Flache Hierarchien und ausgeprägte Flexibilität im Mittelstand benötigen eine IT-Infrastruktur, die diese Stärken mitträgt.

Zu komplex für den Eigenbetrieb

Doch ausgerechnet kleine und mittlere Betriebe dürften gehörig ins Schwitzen kommen, wenn sie in Eigenregie eine virtualisierte Desktop-Welt aufbauen und beitreiben wollen: Beratungsfirmen wie IDC warnen davor, den Aufwand zu unterschätzen, auch nicht das erforderliche Fachwissen. Zudem steht und fällt Desktop-Virtualisierung mit einem hoch zuverlässigen Rechenzentrum, eines mit leistungsfähigen Servern und Storage-Systemen sowie den entsprechenden Sicherheits- und Backup-Lösungen. Also aus der Traum, speziell für den Mittelstand?

Virtual Desktops aus der Cloud nutzen

Nein, denn gerade Unternehmen dieser Kategorie sollten sich einmal Cloud-gestützte Virtual-Desktop-Ansätze ansehen. Den Kern bildet hierbei eine Virtual Desktop Infrastructure (VDI), die über ein Hochsicherheits-Rechenzentrum eines spezialisierten Dienstleisters bereitgestellt wird.

Kompletten Virtual Desktop zum Festpreis mieten

Der wesentliche Vorteil von Cloud Computing: Unternehmen beziehen ihre virtuelle Desktop-Infrastruktur zum Festpreis pro Nutzer und Monat. So umgehen Unternehmen nicht nur die Mühen des Eigenbetriebs, sondern auch ihre betriebswirtschaftlichen Untiefen. Anstatt eigene Rechenzentrums-Kapazitäten mit genügend Reserven vorzuhalten, mieten Unternehmen so viele virtuelle PC-Umgebungen, wie sie tatsächlich brauchen. So passt sich die Desktop-Landschaft dem Geschäftsverlauf an und somit auch die Kosten.

Sind Desktops in der Cloud sicher?

Trotzdem zögern Unternehmen, diesen sensiblen Bereich ihrer IT an Dritte auszulagern: Desktops waren bislang das Haupteinfallstor für Hackerangriffe und Schadprogramme. Eine zentralisierte Desktop-Infrastruktur braucht darum besonderen Schutz. Doch gerade deshalb sollten Mittelständler den Eigenbetrieb überdenken. Die wenigsten mittelgroßen Unternehmen verfügen über vergleichbar ausgestattete Hochsicherheits-Rechenzentren wie spezialisierte Dienstleister. Bei der Wahl des Partners sollten sich Unternehmen an Zertifizierungen orientieren, wie etwa an der international anerkannten ISO-Norm 27001. Sie gewährleistet, dass alle relevanten Geschäftsprozesse beim Dienstleister ein Höchstmaß an Sicherheit für Daten und IT-Prozesse des Kunden bieten. So gehen mittelständische Unternehmen auch beim Desktop aus der Cloud auf Nummer sicher und verfügen immer über eine PC-Landschaft auf dem neusten Stand – und ihren Mitarbeitern droht nicht mehr die Perspektive, mit Windows XP alt zu werden. Das würde ihnen nicht einmal Bill Gates wünschen.

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