Analysen
05. April 2012
AUTOR: Businesscloud.de

Meins! Derzeit setzen mehr Unternehmen in Deutschland auf eine Private-Cloud-Umgebung als auf Public-Cloud-Computing-Dienste.

So manchem Geschäftsführer oder IT-Leiter eines mittelständischen Unternehmens muss es warm ums Herz werden, wenn er sich die Marketing-Unterlagen, "Success Stories" oder "Best Practices" von renommierten IT-Firmen zu Gemüte führt. Die gut funktionierende, wenn auch etwas biedere hauseigene IT in eine schicke Cloud-Computing-Umgebung umbauen? Kein Problem, aber natürlich nur dann, wenn der Interessent auf die Cloud-Computing-Baukästen oder "Building Blocks" des entsprechenden Herstellers zurückgreift. Daran herrscht kein Mangel – vom Rundum-glücklich-Software-Paket bis hin zum kompletten Private-Cloud-Data-Center im Rack-Format. Ganz zu schweigen von den Beratungsleistungen, die – "rein unverbindlich, aber sehr empfehlenswert" – auf den Cloud-Computing-Nutzer in spe einprasseln. Kein Wunder, dass der eine oder andere IT-Leiter eine gewisse Gereiztheit an den Tag legt, wenn das Wort "Cloud Computing" fällt. Dabei haben mittelständische Unternehmen längst begriffen, dass Cloud Computing kein Hexenwerk – oder besser gesagt Marketing-Hype ist. Das belegt beispielsweise der HP Cloud Index, eine Langzeituntersuchung von HP Deutschland und der Marktforschungsgesellschaft Techconsult zur Akzeptanz von Cloud Computing in mittelständischen Unternehmen. Im November/Dezember 2011 setzten demnach 11 Prozent der Firmen mit 20 bis 2.000 Mitarbeitern hier zu Lande Cloud-Computing-Lösungen ein – 60 Prozent mehr als im selben Quartal des Vorjahres.

Maßanzug statt Massenware von der Stange

Besonders beliebt waren Ende 2011 SaaS-Angebote (Software as a Service), also Office-Pakete, CRM-Programme und Security-Software, die Firmen über eine Public Cloud von einem Cloud-Computing-Service-Provider bezogen. Ebenfalls ein deutliches Wachstum ist bei Hybrid-Clouds und Private Clouds festzustellen. Die Gründe dafür: Speziell Mittelständler stufen IT-Umgebungen, die exakt auf ihre Geschäftsprozesse zugeschnitten sind, als unternehmenskritisch ein. Public-Cloud-Computing-Services basieren dagegen stärker als Private Clouds auf standardisierten Prozessen und Anwendungen.

Private Cloud – ja gerne, Public Cloud – ja, aber nicht so viel: Nach Angaben des ITK-Verbandes Bitkom und der Beratungsgesellschaft KPMG nutzen bereits 27 Prozent aller deutschen Firmen Private Clouds. Etwas zögerlicher sind sie beim Cloud-Computing-Diensten, die sie von externen Anbietern beziehen (Public Cloud Computing). (Quelle: KPMG / Bitkom)

Also lieber ein teurer Maßanzug, sprich eine Private Cloud, statt preisgünstiger Konfektionsware à la Public Cloud? Ja und nein. Nach Daten des ITK-Branchenverbandes Bitkom und der Beratungsgesellschaft KPMG setzen in Deutschland bereits 27 Prozent aller Firmen, also vom Klein- bis zum Großbetrieb, Private Clouds ein, nur 6 Prozent greifen auf Public-Cloud-Dienste zurück. Das hängt jedoch nicht unbedingt mit dem lückenhaften Angebot an Public-Cloud-Computing-Services zusammen. Ein Grund ist die Furcht, firmeninterne Daten einem Cloud-Service-Provider anzuvertrauen oder zugänglich zu machen. Das ist zwar zu kurz gedacht, weil ein Service-Provider in der Regel ein höheres IT-Sicherheitsniveau garantieren kann als ein mittelständisches Unternehmen. Dennoch ist dieser Faktor für die derzeitige Vorliebe vieler Mittelständler für Private Clouds mitverantwortlich. Der Trend zur Private Cloud hat aber noch einen anderen Grund: Mittelständler möchten erst einmal Erfahrungen mit Cloud Computing sammeln, und das vorzugsweise im eigenen Haus. Die Idee dahinter: Bewährt sich diese Technologie, lässt sich das Konzept ausbauen, etwa in Richtung einer Mischung aus Diensten, die das eigene Rechenzentrum bereitstellt und standardisierten Public-Cloud-Services wie SaaS oder IaaS (Infrastructure as a Service), eventuell auch PaaS (Platform as a Service). Solche Hybrid Clouds werden nach Einschätzung von Marktforschern wie IDC, der Experton Group und PriceWaterhouseCoopers in Deutschland eine zentrale Rolle spielen.

Vier Phasen muss ein Unternehmen laut IDC durchlaufen, bis es über eine Private-Cloud-Umgebung verfügt. (Bild: IDC)

Private Cloud erfordert profundes Know-how

Eine Private Cloud bietet dem Anwender ähnliche Vorteile wie eine Public oder Hybrid Cloud, etwa
  • den einfachen Zugriff auf IT-Services, ggf. über ein Self-Service-Portal,
  • eine bessere Kostenkontrolle dank eines Pay-per-Use-Modells,
  • die Option, durch Anpassung von Services schneller auf Änderungen der Marktgegebenheiten und geschäftlichen Ziele des Unternehmens reagieren zu können,
  • eine höhere Effizienz und Reaktionsschnelligkeit der IT dank der Automatisierung von Prozessen und der Möglichkeit, IT-Services am "echten" Bedarf auszurichten.
Doch der Aufbau einer Private Cloud ist "nicht ohne", denn eine Cloud-Computing-Umgebung ist nicht in klar abgegrenzte "Silos" organisiert, wie eine normale IT-Infrastruktur. Ein Kennzeichen ist das enge Zusammenspiel vieler unterschiedlicher IT-Sparten, von Anwendungen über Server und Storage-Systeme bis hin zu Netzwerktechniken. Einige Beispiele:
  • Anwendungsserver, Datenbanken und Middleware-Komponenten werden auf eine virtualisierte Plattform verschoben, damit sie den Geschäftsbereichen nach Bedarf als Infrastrukturservices zur Verfügung stehen. Dies erfordert ein Umdenken bei Anwendern und Administratoren, auch was das Aufsetzen und Management solcher VMs betrifft. Diese fordert der Anwender selbst über ein Self-Service-Portal an.
  • Das Management einer (Private) Cloud-Umgebung ist komplexer, weil Hardware, Anwendungen und Netzwerkressourcen als "Shared Infrastructure" bereitgestellt werden. Geht bei der IT-Abteilung eine Anfrage nach einer neuen "Workload" ein, muss sie exakt definieren, welche physischen oder virtualisierten Server und Speichersysteme diese zur Verfügung stellen und welche Auswirkungen das auf gesamte IT-Umgebung hat.
  • Die IT-Abteilung muss Daten und Ressourcen über interne und externe Clouds hinweg frei verschieben können. Das ist wichtig, um bei Bedarf Cloud-Computing-Dienste externer Anbieter an die eigene Private Cloud ankoppeln zu können. Das wiederum setzt spezielle Sicherheitsverfahren voraus, außerdem eine mandantenfähige Infrastruktur.
  • Nicht virtualisierte Server kommen zum Einsatz, sondern Virtualisierung betrifft auch Storage-Kapazitäten und Netzwerkkomponenten. Diese aufzusetzen und zu verwalten, stellt vor allem für die ohnehin stark belasteten IT-Abteilungen von kleineren Unternehmen eine massive Herausforderung dar.

Option: Private Cloud outsourcen

Kurzum: Auch eine Private Cloud ist kein Königsweg hin zu einer Cloud-Computing-Umgebung. Allerdings gibt es durchaus Optionen, um den Aufbau und Betrieb einer Private Cloud zu vereinfachen. Eine besteht – wie bereits angesprochen – darin, auf die Expertise externer Fachleute zurückzugreifen. Das müssen nicht unbedingt teuren Consultants sein. Unter Umständen verfügt das IT-Systemhaus oder der IT-Dienstleister, mit dem ein Mittelständler zusammenarbeitet, über entsprechende Kenntnisse.

Eine Private Cloud muss nicht zwangsläufig exklusiv im Unternehmen angesiedelt sein. Laut Microsoft gibt es durchaus die Möglichkeit, Teile der Private Cloud outzusourcen. (Bild: Microsoft)

Eine weitere Möglichkeit ist, nicht nur den Aufbau einer Private Cloud auszulagern, sondern auch deren Betrieb. Bei einer Managed Private Cloud verbleibt die Cloud-Computing-Infrastruktur im Haus des Anwenders und ein externer Partner übernimmt die Verantwortung für deren Betrieb. Der Vorteil: Daten, Anwendungen und Systemkomponenten bleiben unter Kontrolle des Anwenders. Service Level Agreements schreiben die Qualität der Dienstleistungen fest, die der externe Service-Provider erbringt. Idealer Weise ist ein solcher Cloud-Service-Provider zudem in der Lage, die Private Cloud des Nutzers um Cloud-Computing-Dienste zu erweitern, die er über sein eigenes Data Center bereitstellt, Stichwort Skalierbarkeit. Das heißt, der Anwender könnte in diesem Fall seine Private Cloud in Richtung Hybrid- oder Public-Cloud-Computing weiterentwickeln.

Die Vorzüge und Einschränkungen der diversen Cloud-Computing-Typen. Eine Private Cloud bietet ein Maximum an Sicherheit, ist jedoch kostenintensiver als beispielsweise ein Public-Cloud-Computing-Angebot. (Bild: Bitkom)

Fazit

Für mittelständische Unternehmen ist es nicht zwingend erforderlich, sofort auf Dienste aus der Public Cloud zu setzen. Eine Private Cloud als Zwischenschritt bietet eine Reihe von Vorteilen, etwa in Bezug auf die Datensicherheit, die Unabhängigkeit von externen Dienstleistern und die Möglichkeit, eigenes Cloud-Computing-Know-how aufzubauen. Allerdings sollten sich gerade kleine und mittelständische Firmen davor hüten, die Anforderungen zu unterschätzen, die Aufbau und Betrieb einer Private Cloud mit sich bringen. Ein praktikabler Kompromiss ist die Zusammenarbeit mit einem Systemhaus oder mit einem Cloud-Service-Provider, der sich auf den Mittelstands-Markt spezialisiert hat. Ein solcher Partner kann nicht nur Cloud-Computing-Know-how bereitstellen, das für die Implementierung einer Private Cloud erforderlich. Gegebenenfalls übernimmt er auch den Betrieb der Private-Cloud-Umgebung und entlastet so die IT-Abteilung des Anwenders.

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