Analysen
14. Mai 2013
AUTOR: Businesscloud.de

Interview mit Dr. Uwe Dumslaff: „Die Business Cloud ist ein strategisches Werkzeug“


Dr. Uwe Dumslaff, Capgemini: „Cloud Computing ändert die Spielregeln – zum Nutzen des Unternehmens und seiner Geschäftstätigkeit.“ (Bild: Capgemini)

Es gibt mittlerweile eine ganz Reihe von Studien zum Thema Cloud Computing. Zu den wenigen, die sich dediziert mit dem Thema Business Cloud und den Auswirkungen dieser Technologie auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen auseinandersetzt, zählt „Business Cloud: The State of Play Shifts Rapidly“ von Capgemini. Im Rahmen der Untersuchung befragte das Beratungsunternehmen rund 460 IT-Manager in Nord- und Südamerika, dem Raum EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) und Asien/Ozeanien. Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung: Die Business Cloud gibt Business Managern ein neues Instrument an die Hand, um Unternehmen flexibler und schlagkräftiger zu machen – und um sie von der Abhängigkeit der IT-Abteilung zu lösen, so Dr. Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer für Capgemini Deutschland.  
Business-Cloud.de: Herr Dr. Dumslaff, laut der Studie von Capgemini ist ein Effekt von Cloud Computing, dass diese Technologie die Rolle von Geschäftsverantwortlichen im Verhältnis zu IT-Leitern und CIOs stärkt. Was konkret ändert sich durch die Cloud?
Dr. Uwe Dumslaff: Unternehmen, und damit deren Business-Verantwortliche, bekommen mit Cloud Computing ein neues Werkzeug an die Hand, mit dessen Hilfe sie schneller auf neue Anforderungen des Marktes reagieren können und vor allen Dingen mit recht geringem Risiko neue Dinge ausprobieren können, und das ohne den üblichen Weg über die IT-Abteilung. Buisness-Cloud.de: Bleibt damit die IT-Abteilung außen vor? Dr. Uwe Dumslaff: Die Befürchtung  vieler IT-Fachleute, dass ihnen die Cloud die Jobs wegnimmt, ist unbegründet. Denn ihre Expertise ist weiterhin vonnöten, um eine Cloud-Plattform den Anwendern oder Kunden zugänglich zu machen und in bestehende IT-Prozesse einzubinden. Allerdings eröffnet Cloud Computing dem Geschäftsverantwortlichen die Option, selbst IT-Services zu beschaffen, ohne den – oft mühsamen – Weg über die IT-Abteilung. Das heißt für einen Business Manager: Er muss keinen Katalog mit Anforderungen erstellen und an die IT-Fachleute weitergeben, kein Budget für das Projekt reservieren und nicht lange warten, bis die IT-Lösung implementiert wurde. Kurzum: Dank Cloud Computing ist der Business Manager in einer viel besseren Position als zuvor. Buisness-Cloud.de: Das bedeutet, durch Cloud Computing ändern sich die Spielregeln? Dr. Uwe Dumslaff: Ja, und zwar zum Nutzen des Unternehmens und seiner Geschäftstätigkeit. Eine Firma oder Organisation kann dank der Cloud bei überschaubarem Risiko neue Geschäftsfelder entwickeln oder neue Ideen ausprobieren. Es ist nicht länger notwendig, für diesen Zweck im eigenen Haus eine IT-Infrastruktur aufzubauen, inklusive der damit verbundenen Personal- und Sachkosten. Buisness-Cloud.de: Welche Rolle spielt dann der CIO? Wird er gewissermaßen zum Befehlsempfänger des Business Managers? Dr. Uwe Dumslaff: Richtig ist, dass Cloud Computing die Rolle des Business Managers stärkt. Das belegt auch unsere Studie. Demnach treffen bereits in 45 Prozent der Fälle Business Manager die Entscheidung, ob und welche Business Cloud-Services genutzt werden, nicht die IT-Abteilung. Auch dann, wenn ein Projekt, das zunächst in einer Cloud-Umgebung auf seine Tragfähigkeit hin getestet wurde, erweitert werden soll, ist zunächst der Business Manager gefordert. Das bedeutet aber nicht, dass IT-Fachleute unwichtig werden. Speziell CIOs müssen zu Visionären werden, die dem Unternehmen dabei helfen, Produkte und Services bereitzustellen, die Mitbewerber nicht haben.

Noch trifft die IT-Abteilung in den meisten Fällen die Entscheidung, ob und welche Cloud-Computing-Dienste ein Unternehmen nutzt. Doch die Rolle der Geschäftsentscheider wird immer wichtiger. (Bild: Capgemini)

Business-Cloud.de: Bedeutet dies, dass IT-Verantwortlich in gewisser Weise auch zu Geschäftsverantwortlichen werden? Dr. Uwe Dumslaff: Nein, ein CIO sollte nicht zu einem solchen Mischwesen degenerieren. Das wäre kontraproduktiv. Anders sieht das teilweise in kleineren Unternehmen aus. Dort ist die Trennung zwischen IT- und Geschäftsverantwortlichen häufig nicht so stark ausgeprägt wie in einem Großkonzern. Allerdings treffen gerade in kleineren Unternehmen oft die Inhaber oder Geschäftsführer die maßgeblichen Entscheidungen in Bezug auf den Einsatz von IT und von Business Cloud-Services. Business–Cloud.de: Die Studie von Capgemini hat ergeben, dass viele Unternehmen in erster Linie auf Business Cloud-Angebote zurückgreifen, um Kosten zu sparen. Ist das nicht zu kurz gedacht? Dr. Uwe Dumslaff: Kosteneffekte spielen beim Cloud Computing sicherlich eine zentrale Rolle. Diese Technologie eröffnet Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen neue Freiheitsgrade: Sie können IT-Services nach dem ‚Pay-per-Use‘-Modell ordern, ohne teure und mäßig skalierbare IT-Infrastruktur und ohne kostspielige interne Entwicklungsteams. Aus Investitionskosten werden somit Betriebskosten. Dem Entscheider gibt Cloud Computing somit das Gefühl: ‚Das Ganze passt besser‘. Aber der Kostenaspekt ist nur ein Faktor. Business–Cloud.de: Welche anderen kommen hinzu? Dr. Uwe Dumslaff: Beispielsweise die Möglichkeit, mittels Cloud Computing externes Wissen in die eigene Unternehmung einzubinden. Oft wird im Zusammenhang mit der Cloud von der Gefahr gesprochen, dass eigenes Know-how zum Cloud-Service-Provider abfließen könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Die diesjährige CeBIT stand unter dem Motto ‚Shareconomy‘. Cloud Computing ist eine Verkörperung dieses Prinzips: Mehrere Nutzer teilen sich eine IT-Infrastruktur, profitieren von Kostenvorteilen und Skalierungseffekten und haben die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle und Produkte auszuprobieren. Das ist eine Traumsituation, für den Business Manager, aber auch für die IT-Abteilung. Wichtig ist allerdings, dass die Nutzer von Cloud-Services sich gegenüber den Mitbewerbern beziehungsweise anderen Mitnutzern einer Cloud-Plattform in ausreichender Weise differenzieren.

Nach wie vor erhoffen sich Nutzer von Cloud-Services vor allem niedrigere Kosten. Allerdings gewinnen Faktoren wie eine höhere Agilität und besserer Kundenservice an Gewicht. (Bild: Capgemini)

Business–Cloud.de: Ist eine Business Cloud aus Sicht von Capgemini ein strategisches Mittel für Unternehmen? Dr. Uwe Dumslaff: Ohne Wenn und Aber: Ja, Cloud Computing ist ein strategisches Werkzeug, weil es Unternehmen zu einer höheren Agilität verhilft. Das heißt,  mithilfe von Business Cloud-Services können Anwender in erster Linie ihre Geschäftsprozesse optimieren oder neue Prozesse implementieren. Allerdings müssen die Anbieter von Cloud-Lösungen noch eine Menge tun, bis diese für das Massengeschäft reif sind. Das betrifft vor allem die Integrationsfähigkeit in die bestehende IT-Welt. Business–Cloud.de: Besteht durch die starke Abstimmung von IT-Ressourcen und Geschäftsprozessen auf die Services eines Business Cloud-Anbieters nicht Gefahr, dass ein Unternehmen von einem Service-Provider abhängig wird? Dr. Uwe Dumslaff: Große und mittelständische Unternehmen nutzen in der Regel mehrere Cloud-Service-Provider, alleine aus Gründen der Risikoverteilung. Wichtig für den Nutzer ist, dass der Anbieter die passenden Services in der gewünschten Qualität bereitstellen kann. Das gilt es vor Vertragsabschluss sorgfältig zu prüfen. Kleinere Unternehmen verfügen dagegen oft nicht über die Kapazitäten, um die Aktivitäten mehrerer Cloud-Service-Provider zu koordinieren. Daher sind sie stärker darauf angewiesen, einen zuverlässigen Partner im Bereich Business Cloud zu finden. Business–Cloud.de: Laut der Studie von Capgemini ist die Sicherheit von Geschäftsdaten ein Punkt, der vielen potenziellen Nutzern von Cloud-Services Kopfzerbrechen bereitet... Dr. Uwe Dumslaff: Ja, das ist in der Tat ein Schmerzpunkt. Deshalb ist es wichtig, dass die Anbieter von Business Cloud-Services Vertrauen aufbauen, etwa mithilfe klarer und leicht überprüfbarer Service Level Agreements. Allerdings sind mir keine Fälle bekannt, bei denen ein Nutzer von Cloud-Services einen wirtschaftlichen Schaden erlitten hat, weil ein Service-Provider Daten des Kunden für eigene Zwecke missbraucht hat. Dennoch führen hausinterne IT-Abteilungen und teilweise auch Geschäftsentscheider gerne Datenschutz und Datensicherheit an, um etwas langsamer an das Thema Cloud heranzugehen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie von Capgemini: Die Mehrzahl der Firmen hat nach eigener Einschätzung bereits einen mittleren bis hohen Reifegrad in Bezug auf die Nutzung von Business Cloud-Services erreicht. (Bild: Capgemini)

Business–Cloud.de: Zum Abschluss noch die Frage, wie Sie die Zukunftsaussichten und Weiterentwicklung der Business Cloud bewerten? Dr. Uwe Dumslaff: Wir bei Capgemini gehen davon aus, dass sich Cloud Computing, speziell Business Cloud-Angebote, in fünf bis zehn Jahren als prägendes geschäftsunterstützendes Element etabliert haben, gewissermaßen als Business-enabling Platform und als Mittel, um völlig neue Arbeitsweisen und Geschäftsmethoden einzuführen. Allerdings müssen Unternehmen dabei immer bedenken, dass es nicht genügt, auf eine Cloud-Lösung zu setzen, um sich auf dem Markt zu behaupten. Denn Mitbewerbern stehen dieselben Mittel zur Verfügung. Das heißt, letztlich sind nicht Business Cloud-Services für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend, sondern die Ideen, Agilität und auch Risikobereitschaft seiner Mitarbeiter und Geschäftsverantwortlichen.  

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