Analysen
05. November 2012
AUTOR: Businesscloud.de

Die Community Cloud – das Beste aus mehreren Welten

Laut Gartners Hype Cycle 2012 für den Bereich Cloud Computing steht die "Community Cloud" noch am Anfang ihrer Themenkarriere (siehe unteren Bereich der Kurve links). Das heißt: Die Technik steht zur Verfügung, und Erwartungshaltung von potenziellen Nutzern und Anbietern entsprechender Cloud-Services steigt. (Bild: Gartner)

Amerikaner ist sind dafür bekannt, dass sie stets auf der Suche nach der nächsten Sensation sind – dem „Next Big Thing“. Das gilt auch für Dinge wie Cloud Computing. Und eines der "Next Big Things" könnte nach Ansicht von IT-Experten in den USA die Community Cloud sein. Die Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Gartner beispielsweise führt in ihrem "Hype Cycle 2012" für den Bereich Cloud-Computing unter anderem die Community Cloud auf. Dort ist diese Form des Cloud-Computings gewissermaßen auf dem "aufsteigenden Ast" platziert. Gartner geht davon aus, dass in etwa zwei bis fünf Jahren Community Clouds eine wichtige Rolle im IT-Bereich spielen werden. Laut Gartners Konkurrent IDC spielt die Community Cloud in Deutschland bereits eine zentrale Rolle. Nach einer aktuellen Studie von IDC basieren derzeit 25 Prozent der Privat-Cloud-Implementierungen hier zu Lande auf einem Community-Cloud-Konzept, hinter Inhouse Private Clouds (33 Prozent) und vor Provider Hosted Private Clouds (22 Prozent).

Die Fachleute von Gartner gehen davon aus, dass Community Clouds in zwei bis fünf Jahren eine größere Verbreitung finden. In manchen Bereichen, wie etwa Cloud-Computing-Angeboten für Behörden, kann dies angesichts der speziellen Anforderungen und des hohen Koordinierungsaufwands allerdingslänger dauern. (Bild: Gartner)

Community Cloud: Ein Begriff – mehrere Definitionen

Was sich hinter einer Community Cloud im Detail verbirgt, ist allerdings nicht ganz unumstritten. Eines steht fest: Eine Community Clouds hat nichts mit einer Online-Community zu tun, auch wenn dies Angebote mancher Hersteller suggerieren. So sind Cloud-basierte Services wie Oracles „RightNow Support Community Cloud Service“ in erster Linie dazu da, die Interaktion von Unternehmen mit Kunden und Interessenten über Social-Media-Plattformen zu optimieren. Also keine Community Cloud. Das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) stellt fest: „In einer Community Cloud schließen sich zwei oder mehrere Cloud-Anbieter aus Private Clouds zusammen, um für einen definierten Kundenkreis IT-Dienstleistungen für Cloud-Services zu erbringen.“ Dies erweckt den Eindruck, dass nur Nutzer von Private-Cloud-Umgebungen zu Cloud-Service-Providern mutieren und Community-Cloud-Dienste offerieren können. Falsch, sagen das amerikanische National Institute for Standards in Technology (NIST) und die Intelligence and National Security Alliance (INSA), eine Non-Profit-Organisation in den USA mit Schwerpunkt auf IT-Sicherheit. Beide definieren eine Community Cloud als Cloud-Services und die dazu gehörige IT-Infrastruktur, die sich Nutzergruppen mit identischen Anforderungen teilen. Die Community Cloud muss jedoch nicht zwangsläufig von diesen Nutzergruppen selbst betrieben und gemanagt werden. Das können auch Dritte übernehmen, etwa Cloud-Service-Provider wie beispielsweise Pironet NDH.

Das Fraunhofer Institut FOKUS betrachtet eine Community Cloud als Zusammenschluss von Private Clouds, etwa denen von öffentlichen Einrichtungen oder Firmen aus derselben Branche. (Bild: Fraunhofer Fokus)

Der gemeinsame Nenner

Was die Nutzer einer Community Cloud verbindet, sind gemeinsame Anforderungen an eine Cloud-Umgebung. Das betrifft folgende Faktoren:
  • Die Einhaltung spezieller Sicherheits- und Compliance-Vorgaben oder gesetzlicher Regelungen, Stichwort Datenschutz und Datensicherheit. Dies schließt Punkte mit ein wie die regelmäßige Sicherung und Wiederherstellung von Daten und Anwendungen und deren Verfügbarkeit. Dies erfordert Maßnahmen wie Disaster Recovery, Backup und Restore, den Einsatz von Ausfallrechenzentren und eine regelmäßige Zertifizierung von Systemen und Personal;
  • spezielle Anwendungen, welche die Nutzer der Community Cloud gemeinsam verwenden, etwa Fachverfahren bei Behörden oder Branchen-Applikationen bei Unternehmen.

Cloud-Computing-Services wie My Business Cloud von Pironet NDH lassen sich auch dazu nutzen, um Community Clouds aufzubauen und zu betreiben. In diesem Fall stehen die Dienste einer geschlossenen Benutzergruppe zur Verfügung und werden an deren Belange angepasst. (Bild: Pironet NDH)

In vielen Fällen beschränkt sich eine Community Cloud nicht darauf, Infrastruktur-, Software- oder Plattform-Dienste bereitzustellen. Oft sind die Cloud-Services eng auf die Geschäftsprozesse der Nutzer abgestimmt. Ein Beispiel: Banken und Sparkassen unterhalten eigene (Cloud-)Rechenzentren oder nutzen, wie die Sparkassen, spezielle Dienstleister wie Finanz Informatik. Diese Service Provider haben ihre Angebote an die besonderen Anforderungen der Nutzer angepasst. Finanz Informatik stellt den Sparkassen nicht nur virtualisierte Arbeitsplätze bereit, sondern über eine Community Cloud auch Bankanwendungen wie OSPlus. Darauf sollen Mitarbeiter der Finanzinstitute künftig von unterschiedlichen Endgeräten aus zugreifen können: PCs, Macs, Notebooks, Tablets und Smartphones.

Vorteile einer Community Cloud

Die Vorteile einer Community Cloud aus Sicht des Anwenders entsprechen in etwa denen von Public oder Private Clouds: bessere Skalierbarkeit, höhere Kostentransparenz dank verbrauchsabhängiger Abrechnung und die Möglichkeit, flexibel auf Lastspitzen zu reagieren. Nicht zu unterschätzen sind zudem Punkte wie das hohe Sicherheitsniveau und die Vorzüge in Bezug auf die Verfügbarkeit von IT-Ressourcen und fachspezifischen Services. Der Anwender muss sich zudem nicht mit dem komplexen IT-Betrieb beschäftigen: Server und Anwendungen virtualisieren, Storage-Ressourcen und Netzwerk-Ressourcen anpassen, dem Ganzen eine effiziente Management-Lösung „überstülpen“ und Vorkehrungen für den Fall von Problemen oder gar den Ausfall ganzer Systemumgebungen treffen. Hinzu kommen Faktoren wie eine kürzere „Time-to-Market“ und der Zugang zu einer modernen IT-Infrastruktur und stets aktuellen Anwendungen.

In Großbritannien steht Behörden seit November 2012 mit der G-Cloud eine Community Cloud zur Verfügung. Öffentliche Einrichtungen können über einen Web-Store ("CloudStore") cloud-basierte IT-Services "kaufen". (Bild: HM Government / G-Cloud)

Lösung für Behörden und öffentliche Einrichtungen

Eine Community Cloud ist nicht nur für einzelne Branchen wie den Finanzsektor oder das Gesundheitswesen eine praktikable Lösung. Auch die öffentliche Hand kann von diesem Ansatz profitieren. Als Service Provider müssen dabei nicht zwangsläufig kommunale oder landeseigene Rechenzentren zum Zuge kommen. Auch Dienstleister aus der Privatwirtschaft kommen in Betracht. Die Voraussetzung ist, dass diese Anbieter entsprechende Referenzen und Sicherheitszertifizierungen vorweisen können und ihre Rechenzentren in Deutschland oder zumindest einem EU-Land liegen. Das verlangt das geltende Datenschutzrecht. Ein Beispiel für eine öffentliche Einrichtung, die IT-Services aus einer Community Cloud bezieht, ist die Kommunale Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF). Anwendungen für das Einwohnermeldewesen sowie Dokumenten-Management-, Archiv- und E-Mail-Lösungen für etwa 550 Städte, Gemeinden und Landkreise werden künftig über die Cloud bereitgestellt. Der kommunale IT-Dienstleister schloss dazu einen Rahmenvertrag mit einem externen IT-Unternehmen. Vergleichbare Projekte sind auch in anderen Bundesländern und Kommunalverbänden im Entstehen, etwa bei der Polizei.

Wichtig: Sensible Daten in die Private Cloud

Ein Argument, das gegenüber Community Clouds ins Feld geführt wird, ist die Vertraulichkeit sensibler Informationen. Gleich, ob private Cloud-Provider die Dienste bereitstellen oder dies beispielsweise über ein Behörden-Data-Center erfolgt: In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass sicherheitsrelevante und personenbezogen Informationen nicht aus Versehen oder durch einen technischen Defekt verloren gehen oder in falsche Hände geraten. In diesem Fall bietet sich eine Mischung aus Community und Private Cloud an. Besonders schutzbedürfte Informationen bleiben in der Private Cloud; Anwendungen und IT-Infrastrukturdienste werden aus der Community Cloud bezogen. Noch ein Hinweis zum Thema Sicherheit und Community Clouds: Nach Angaben des amerikanischen Gesundheitsministeriums gab es im vergangenen Jahr in den USA 385 Vorfälle, bei denen Patientendaten oder andere sensible Informationen abhandenkamen. Als "Schwarzes Loch" entpuppten sich mobile Rechner, die gestohlen wurden oder verlorengingen, sowie Papierunterlagen (Akten), die "verschwanden". Deshalb prüft die Behörde, ob solche Informationen künftig nur noch über eine Community Cloud zugänglich sind. Die Daten werden dann zentral auf Systemen in der Cloud vorgehalten, und die User können nur "remote" von IT-Systemen wie PCs, Notebooks oder Tablet-Rechnern aus darauf zugreifen. Kommt ein Notebook abhanden, bedeutet dies kein Sicherheitsleck mehr.

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