Analysen
03. August 2011
AUTOR: Businesscloud.de
Die Cloud als Job-Killer? Nein, ganz im Gegenteil: IT-Fachleute im Unternehmen werden durch Cloud Computing nicht überflüssig, sondern übernehmen anspruchsvollere Aufgaben. (Bild: Pixelio.de/www.foto-fine-art.de) Ein Gespenst geht um in den IT-Abteilungen von Deutschlands Unternehmen und Behörden - das von der bösen "Wolke", die den Mitarbeitern ihren Job wegnimmt. Laut einer Online-Umfrage des IT-Fachmediums CIO vom März 2011 haben 18 Prozent der IT-Fachkräfte in Deutschland Angst davor, dass sie durch Cloud Computing überflüssig werden. Die Begründung: Dadurch, dass IT-Dienstleistungen wie Rechenkapazitäten, Stichwort "Infrastructure as a Service", oder Anwendungen (Software as a Service) von externen Dienstleistern bezogen werden, verliert die hausinterne IT-Abteilung an Bedeutung. Und dies werde unweigerlich dazu führen, dass Stellen wegfallen. Noch höher ist der Anteil der Skeptiker, die CA Technologies im Rahmen einer Studie ermittelt hat, bei der IT-Führungskräfte und "normale" IT-Mitarbeiter in den Nordamerika und Westeuropa befragt wurden. Demnach ist für 52 Prozent der IT-Entscheidungsträger und 50 Prozent der Fachleute, die IT-Systeme und -Anwendungen implementieren und verwalten, Cloud-Computing eine reale Bedrohung. Ein Grund, weshalb Cloud Computing von IT-Abteilungen mit Misstrauen betrachtet wird, ist die Angst um den Arbeitsplatz. (Quelle: CA Technologies / Reder) Weitere Bedenken, die laut der CA-Studie von Cloud-Skeptikern angeführt werden: der Angst davor, die Kontrolle über IT-Systeme und damit verbundene Prozesse zu verlieren und die Befürchtung, die interne IT-Abteilung werde für Probleme verantwortlich gemacht, die auf Fehlleistungen des Cloud-Service-Providers zurückzuführen sind.

IT-Fachleute sind rarer denn je

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes wirken jedoch überzogen. Denn der IT- und Telekommunikations-Fachverband Bitkom sieht nach wie vor eine völlig andere Tendenz: Gut 29.000 Stellen für Informatiker waren demnach Ende Juni in deutschen Unternehmen und Behörden unbesetzt. Nicht deshalb, weil es an Geld für Einstellungen mangelte, sondern aus dem einfachen Grund, weil nicht genügend IT-Fachkräfte zur Verfügung standen. Laut Bitkom entstehen seit 2007 jedes Jahr in Deutschland etwa 13.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich Informationstechnik. Bereits jetzt klagen 60 Prozent der Firmen darüber, dass der Mangel an Experten auf diesem Sektor ihre Geschäftstätigkeit "bremst". Das wiederum bedeutet, dass Deutschlands Unternehmen dringend Wege finden müssen, um ihre IT effizienter zu betreiben, wollen sie nicht ihr Kerngeschäft einschränken.

Cloud als Mittel gegen Mangel an IT-Fachpersonal

Somit besteht für IT-Fachkräfte kein Grund, sich Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Die Bedeutung der IT in Unternehmen und Behörden nimmt weiter zu. Wenn allerdings immer weniger qualifizierte IT-Fachleute zur Verfügung stehen, dann bedeutet dies, dass manuelle Prozesse verstärkt automatisiert und standardisiert werden müssen. Der nächste Schritt besteht darin, solche standardisierten Anwendungen in die Cloud zu verlagern. Über Arbeitsmangel werden sich firmeninterne IT-Mitarbeiter auch im Cloud-Zeitalter nicht beklagen können. Um Infrastruktur und Anwendungen für Cloud Computing fit zu machen, sind jede Menge Vorarbeiten nötig. (Quelle: CIO / IDG Research) Dies können Aufgaben sein wie das Sichern und Wiederherstellen von Daten, etwa E-Mails und Datenbanken, Stichwort Backup und Disaster-Recovery. Auch Aufgaben wie etwa der Schutz von Netzwerken, Client-Systemen und Servern mittels Security-Programmen oder die Bereitstellung von ganzen Desktop-Umgebungen lassen sich über einen Cloud-Service-Provider abwickeln. All diese Tätigkeiten erfordern viel "Handarbeit" und binden IT-Fachpersonal. Für hausinterne IT-Abteilung bedeutet das nicht unbedingt weniger Arbeit, sondern vielmehr anspruchsvollere Tätigkeiten statt Routine-Jobs. Laut einer Befragung von amerikanischen, britischen, deutschen und französischen IT-Verantwortlichen, die IDG und CIO im Oktober 2010 durchführten, gehen 40 Prozent der Befragten aus, dass durch Cloud Computing der Zeitaufwand sinkt, den IT-Fachleute für den Support von EDV-Systemen vorsehen müssen.

Von Systemverwaltung zu IT-Business-Planung

Statt IT-Mitarbeitern, die von Hand Backup-Prozesse starten oder bei Frau Müllers Drucker die Toner-Kartusche wechseln, sind „Enterprise-Architekten“ gefragt. Sie entwickeln und implementieren Architekturen für Applikationen und standardisieren Infrastrukturen, sodass diese mit Cloud Computing Services zusammenarbeiten. „Gerade im Mittelstand erleben wir, dass Cloud Computing die Kunden vom operativen ‚Ölkännchengeschäft’ entlastet und Zeit wie Ressourcen für die strategische Gestaltung der IT-Landschaft frei macht“, sagt Thomas Sprenger, Pressesprecher bei Pironet NDH Datacenter, einem ITK-Dienstleister, der Geschäftsapplikationen und Infrastrukturressourcen aus der Cloud für mittelständische Unternehmen anbietet. Der Einfluss von IT-Fachleuten dieser Prägung im Unternehmen wird daher wachsen. Das bedeutet jedoch auch, dass Cloud-affine IT-Fachleute künftig nicht nur technisches Know-how mitbringen müssen. In der Studie von IDG Research/CIO gaben 62 Prozent der befragten Experten an, dass sie in den vergangenen fünf Jahren hinzulernen mussten, was das Verständnis von Geschäftsprozessen und wirtschaftlichen Zusammenhängen betrifft. Die IT-Abteilungen sind stärker als je zuvor aufgefordert, Geschäftsprozesse und die Firmenstrategie zu unterstützen. Dies lässt sich nur erreichen, wenn die IT-Infrastruktur deutlich flexibler wird. Mithilfe von Cloud Computing lässt sich das erreichen. (Quelle: CIO / IDG Research). Daran wird sich nichts ändern, denn von neuen Technologien wie Cloud Computing erhoffen sich immer 63 Prozent der Befragten, dass sie nicht nur der Unternehmens-IT, sondern der gesamten Firma zu mehr Agilität und einer besseren Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Das funktioniert jedoch nur, wenn sowohl die "Häuptlinge" der IT-Abteilung, sprich der Chief Information Officer, als auch die "Indianer", also der Fachleute auf der untergeordneten Ebene, ein Verständnis dafür entwickeln, wie sich Geschäftsprozesse an Cloud-Services anbinden und dadurch effizienter gestalten lassen.

Besser Cloud Service Architect als Toner-Kartuschen-Wechsler

Kurzum: Die Rolle des CIO und seiner Abteilung wird aufgewertet – und die Aufgabenstellungen, mit denen sich die IT-Experten auseinander setzen müssen, werden interessanter. Einen Vorgeschmack darauf geben die neuen Funktionsbezeichnungen, die CIO in seiner Global Market Pulse Survey von Ende vergangenen Jahres für Cloud-IT-Spezialisten aufführt. Da findet sich beispielsweise ein Cloud Infrastructure Manager neben dem Cloud Service Architect und einem Cloud Application Integration Expert. Oder soll es vielleicht doch eher ein Cloud Security Engineer sein, oder ein IT Cloud Services Manager? Das klingt nicht nur besser als "Support-Mitarbeiter", sondern dürfte in jedem Fall spannendere und zukunftsträchtigere Aufgaben mit sich bringen.

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