Interviews
28. Januar 2014
AUTOR: Businesscloud.de
Im Gespräch mit Business-Cloud.de erläutert John Zanni, Chief Marketing Officer (CMO) und Vice President (VP) of Strategic Alliances, Service Providers bei Parallels, welche Chancen Cloud-Computing insbesondere kleineren und mittelständischen Unternehmen und Service Providern bietet – und warum Apps Stores keine wirkliche Alternative zu Cloud-Computing-Angeboten sind. Business Cloud - Interview John Zanni Parallels 450

John Zanni, Chief Marketing Officer und Vice President of Strategic Alliances, Service Providers bei Parallels: „Vor allem kleinere und mittelständische Firmen setzen verstärkt auf Cloud-Computing-Dienste. Das ist eine Chance für Service Provider, nicht nur indem sie Cloud-Services anbieten, sondern zusätzlich Beratung und Support.“ Bild: Parallels

Business-Cloud.de: Herr Zanni, Parallels ist vielen Mac-Nutzern durch seine Virtualisierungssoftware Parallels Desktop bekannt. Dabei bietet Parallels auch Lösungen an, mit denen Service Provider Cloud-Computing-Dienste aufsetzen und anbieten können. John Zanni: Das ist richtig. Parallels hat zwei Produktlinien, die für Service Provider und Unternehmenskunden konzipiert sind. Die eine ist die Virtualization Suite, zu der unter anderem Parallels Cloud Server zählt. Damit können Service Provider für Unternehmen hochverfügbare Storage-as-a-Service-Umgebungen aufbauen. Die zweite Produktlinie ist die Parallels Automation Suite. Sie ist speziell auf die Anforderungen von Service Providern ausgerichtet. Business-Cloud.de: Welche Funktionen bietet die Parallels Automation Suite, speziell im Cloud-Computing-Bereich? Zanni: Diese Software-Suite ermöglicht es Service Providern, auf einfache Weise Anwendungen und Dienste zusammenzustellen und ihren Kunden über eine Cloud-Umgebung zur Verfügung zu stellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Services lokal bereitgestellt oder in anderen Rechenzentren gehostet werden. Mit Parallels Automation ermöglichen wir somit Service Providern den einfachen Einstieg in den Bereich Cloud Computing. Business-Cloud.de: Wie viele Applikationen und Services werden von Parallels Automation unterstützt? Zanni: In unserem Service-Katalog sind mehr als 500 Anwendungen und Dienste auf Basis unserer APS-2.0-Plattform [Application Packaging Standard] aufgeführt, die Service Provider ihren Kunden offerieren können. Das Angebot reicht von Open-Source-Lösungen bis hin zu kommerziellen Angeboten von bekannten Herstellern wie Microsoft, Symantec, VMware oder Open-Xchange. Derzeit nutzen weltweit mehr als 9.000 Service Provider unsere Plattform, um darüber Cloud-Services bereitzustellen. Dazu zählen in Deutschland unter anderem Host Europe und 1&1.

Application-Packaging-Standard als Rahmenwerk für Cloud-Services

Business-Cloud.de: Welche Funktion hat APS? Zanni: Es handelt sich um eine Art Framework, das Services von Parallels und Applikationen und Produkte von anderen Anbietern unter einem Dach vereint. Cloud-Service-Provider können mithilfe von APS 2.0 diese Produkte zu Service-Paketen zusammenfassen und ihren Kunden anbieten. Dadurch ist es beispielsweise für ein Unternehmen möglich, von seinem Service Provider Anwendungen im Rahmen eines Software-as-a-Service-Angebots zu beziehen. Business-Cloud.de: Spricht Parallels mit seinen Produkten ausschließlich Service Provider an oder auch Unternehmen, die in ihrem eigenen Rechenzentrum Cloud-Computing-Dienste bereitstellen wollen? Zanni: Wir konzentrieren uns derzeit auf den Bereich Service Provider, insbesondere Anbieter, die kleine und mittelständische Firmen ansprechen. Das hat zwei Gründe: Zum einen steigt die Nachfrage nach Cloud-Computing-Diensten drastisch an, vor allem seitens kleinerer Unternehmen. Damit verbunden benötigen Service Provider Plattformen wie Parallels Automation, um ihren Kunden solche Cloud-Dienste anbieten zu können. Zum anderen benötigen insbesondere größere Unternehmen, die Cloud-Computing in ihre IT-Umgebung integrieren wollen, speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Funktionen. Business Cloud - Parallels Automation

Mit Parallels Automation können Service Provider auf einfache Weise Cloud-Computing-Services zusammenstellen und ihren Kunden zur Verfügung stellen. Bild: Parallels

Kleine und mittelständische Firmen in Deutschland setzen auf die Cloud

Business-Cloud.de: Können Sie Beispiele nennen? Zanni: Dazu zählen eine starke Verzahnung von Geschäftsprozessen mit der IT beziehungsweise Cloud-Diensten oder spezielle Komponenten wie Rückvergütungssysteme für Kunden. Daher bedienen wir den Enterprise-Markt über unsere Partner wie Cisco Systems, EMC, VMware und seit kurzem auch IBM. Diese Partner nutzen unsere Lösungen in Verbindung mit eigenen Produkten, um Clouds für Service Provider sowie für Unternehmenskunden aufzubauen. Business-Cloud.de: Sie haben die starke Nachfrage nach Cloud-Computing-Diensten durch kleine und mittelständische Unternehmen, also KMU, angesprochen. Lässt sich dies quantifizieren? Zanni: Laut unserer aktuellen Studie 'Parallels SMB Cloud Insights' weist alleine das Segment KMU im Bereich Cloud-Computing-Dienste in Deutschland derzeit ein Potenzial von 1,8 Milliarden Euro pro Jahr auf. Wir gehen davon aus, dass dieser Markt in den kommenden Jahren deutlich zulegen wird. Bis 2016 erwarten wir einen Zuwachs auf etwa 3,4 Milliarden Euro, und das wohlgemerkt nur bei Cloud-Services für kleine und mittelständische Firmen. Business Cloud - Volumen Wachstum Cloud-Services SMBs Mittelstand

Laut der Studie Parallels SMB Cloud Insights ist 2013 der Umsatz mit Cloud-Services für Small/Medium Businesses deutlich gestiegen. Bis 2016 rechnet Parallels mit einer jährlichen Zunahme von mindesten 24 Prozent. Bild: Parallels

Business-Cloud.de: Warum sind aus Sicht von Parallels vor allem kleine und mittelständische Unternehmen prädestiniert, IT-Ressourcen aus einer Cloud zu beziehen? Zanni: Speziell KMU verfügen oft nicht über das IT-Fachpersonal und die Expertise, um eine komplexe IT-Umgebung zu unterhalten. Zudem wollen sich Unternehmen verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, nicht auf den Aufbau und Betrieb einer IT-Infrastruktur. IT-Dienste aus einer Cloud zu beziehen, bietet hier einen Ausweg. Für den Cloud-Service-Provider bietet sich wiederum die Chance, seinen Kunden nicht nur Basisservices anzubieten, etwa gehostete Server- und Storage-Ressourcen, professionelle E-Mail-Diente und Collaboration-Anwendungen. Er kann, je nach Anforderung des Anwenders, diesem zusätzlich Add-ons zur Verfügung stellen, beispielsweise Backup-Dienste oder IT-Sicherheitsprodukte. Dies ist für beide Seiten von Vorteil.

App Stores taugen eher für die Consumer-Welt

Business-Cloud.de: Einige Anbieter von Cloud-Computing-Diensten setzen derzeit auf App Stores, ein Konzept, das bislang vor allem in der Smartphone-Welt verwendet wird. Lässt sich dieser Ansatz auf professionelle Cloud-Computing-Services übertragen? Zanni: Nein, nach unserer Auffassung funktionieren App Stores im professionellen Umfeld nicht. Der Grund ist, dass kein IT-Leiter und Geschäftsführer zulassen wird, dass sich einzelne Unternehmensabteilungen wie in einem Supermarkt ihre Anwendungen selbst zusammensuchen und bei einem Service Provider ordern. Das würde zu einer völlig unübersichtlichen IT-Landschaft führen, mit vielen negativen Folgen. Denken Sie nur an die IT-Sicherheit und Compliance. Business Cloud - Parallels Automation App Management

Frameworks wie Parallels Automation geben einem Service Provider alle Mittel an die Hand, um Cloud-Computing-Dienste in sein Portfolio zu integrieren, zu verwalten und abzurechnen. Bild: Parallels

Business-Cloud.de: Auf welche Weise werden Cloud-Services stattdessen vertrieben? Zanni: Wir gehen davon aus, dass Kunden nach wie vor den direkten Kontakt mit einem Service Provider suchen und bei diesem Cloud-Services ordern. Ein Grund dafür ist, dass viele Unternehmen wenig oder keine Erfahrung mit Cloud Computing haben und daher die Beratungsleistungen des Providers benötigen. Zudem haben Anwender dann die Gewähr, dass sie ein Service-Paket erhalten, das auf ihre Anforderungen zugeschnitten ist und dessen Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Faktor Support durch den Service Provider. Business Cloud - Nutzung IaaS SMBs Mittelstand

Für Service Provider eröffnen sich durch Cloud Computing neue Absatzchancen, auch in Form von Zusatzservices und ergänzenden Anwendungen, die Kunden bei „ihrem“ Provider ordern. Bild: Parallels

Business-Cloud.de: Bedeutet dies, dass Parallels das App-Store-Modell generell ablehnt? Zanni: Nein, dieser Ansatz hat durchaus seine Berechtigung. Daher unterstützen unsere Lösungen auch App Stores. Nur sind solche Bereitstellungsmodelle nach unserer Einschätzung eher für den Consumer-Bereich tauglich, nicht für unternehmenskritische Anwendungen.  Denn diese benötigen immer Beratung und Support seitens eines Providers. Business-Cloud.de: Für Nutzer von Cloud-Computing-Diensten ist die Kontrolle über die eigenen Daten ein wichtiges Thema. Dazu hat die Affäre um den US-Geheimdienst NSA maßgeblich beigetragen. Beeinträchtigt diese Diskussion die Marktchancen von Cloud-Service-Providern? Zanni: Nein, im Gegenteil. Gerade mittelständische und kleinere Service Provider eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Sie können beispielsweise mithilfe von Parallels Automation auf einfache Weise Cloud-Angebote zusammenstellen und ihren Kunden anbieten, die diesen die volle Kontrolle über ihre Daten ermöglichen. Solche Services lassen sich lokal implementieren oder in gehosteter Form, zudem in Rechenzentren, die in Europa oder der EU stehen und damit dem dortigen Datenschutzrecht unterliegen. Dadurch können sich kleine und mittelständische Service Provider als Alternative zu großen Cloud-Anbietern wie Amazon oder Google positionieren. Business-Cloud.de: Herr Zanni, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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